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22.02.2012 21:15 Alter: 3 yrs

Amazonien im Jahr 2012 - mehr Staudämme und weniger Waldschutz drohen

Kategorie: Hintergrundinfos
Autor: Norbert Suchanek

Im Prinzip sind sich Umweltwissenschaftler, Klimaschützer und Indigene Völker einig: Die Amazonasabholzung muss aufhören genauso wie die Abholzung der Cerrado- und Caatinga-Wälder Zentral- und Nordostbrasiliens. Doch dies steht im krassen Gegensatz zum "Entwicklungs-" oder besser gesagt Kolonisierungsprogramm der brasilianischen Regierung Dilma Rousseff und der Vorgängerregierung Lula da Silvas: Mehr Straßen, mehr Staudämme, mehr Rohstoffausbeutung, mehr Erdölfördertürme und Erzbergbau in Amazonien, mehr Biosprit und mehr Zersiedlung im ganzen Land.

Nachdem der Kampf um die von Lula da Silva auf den Weg gebrachten katastrophalen Staudammbauten Santo Antônio und Jirau am großen Amazonaszufluss Rio Madeira mangels nationalen und internationalen Protesten bereits verloren war, konzentrierte sich im vergangenen Jahr (2011) die Regenwaldschutzbewegung gegen den Bau des gigantischen Wasserkraftprojektes Belo-Monte sowie gegen die geplante "Verwässerung" des brasilianischen Waldgesetzes, dem so genannten Código Florestal.

Allen Protesten und der bevorstehenden UN-Umweltkonferenz in Rio de Janeiro (Rio plus 20) zum Trotz scheint Dilma Rousseff aber sowohl an Belo Monte wie an der Reform des Waldgesetzes festzuhalten. Die Bauarbeiten am Megastaudamm, der den Rio Xingu in weiten Teilen erheblich beeinträchtigen, wenn nicht sogar vernichten wird, sind nicht nur weiter im Gang, ein zweites "Belo Monstrum" ist bereits am Rio Tapajos in Amazonien in Planung. Auch das Gesetzesvorhaben zur Änderung des Código Florestal ist auf dem "rechten" Weg, die letzten politischen Hürden Anfang 2012 zu passieren.

Fehlt nur noch seine Verabschiedung durch die Abgeordnetenkammer, um schließlich von Präsidentin Dilma Rousseff unterschrieben zu werden.

Allen voran der World Wide Fund for Nature (WWF) und Greenpeace Brasilien machten sich 2011 stark gegen die Waldgesetzreform und starteten internationale Aktionen, "damit die Zerstörung von 76,5 Millionen Hektar Wald" verhindert werde. "Wissenschaftler, Umweltverbände, aber auch Kirchen und Gewerkschaften, die Kleinbauernvereinigung Via Campesina und die Landlosenbewegung MST kämpfen gegen das neue Gesetz, das gigantische Waldzerstörung zulässt, illegale Abholzungen amnestiert, und von dem niemand profitiert – außer der Agrarlobby", so der WWF. "Alle Studien zeigen, dass das Gesetz zu massiver Bodenerosion und Störung des Wasserkreislaufs führen wird - ganz abgesehen von den klimatischen Auswirkungen der zusätzlichen 28 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalenten an Treibhausgasen." Und nicht nur dies. Nach Meinung des Umweltverbandes drohe nach der Reform des Código Florestal die gesamte brasilianische Umweltschutzgesetzgebung zerschlagen und selbst Schutzgebiete für Infrastruktur- und Energieprojekte geopfert zu werden.

Starker Tobak!

Tatsächlich ist die Umweltsituation Brasiliens zu Beginn 21. Jahrhunderts kein Zuckerschlecken! Unter acht Jahren Lula da Silva wurden nicht nur in Brasilien die Sozial- und Umweltbewegungen regelrecht eingelullt oder besser gesagt "eingelulat": Alle kommen zu Wort, doch niemand hört wirklich zu, und Regierung sowie Agro- und Bergbaubusiness machen was sie wollen!

Hungerstreiks gegen die katastrophale, mehrere Milliarden Euro teure Teilumleitung des Rio São Francisco, des größten in Brasilien entspringenden Flusses;

Dutzende von Demonstrationen auf der grünen Wiese vor dem Präsidentenpalast in Brasilia; die Vergabe von Menschenrechts- und Umweltprämien; selbst medienwirksame Amazonasbesuche von Avatar-Star-Regisseur James Camaron: Nichts hilft. Der Brasilianische Umwelt-Tiger scheint harmlos und ohne Zähne zu sein. Die Hunde bellen, doch die Karawane, die Zerstörung Brasiliens geht weiter!

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