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20.01.2003 18:12 Alter: 9 yrs

Anwohner schützen sich vor den Strahlen

Kategorie: Mobilfunk
Autor: Bürgerinitiative Omega Klaus Rudolph

Gerda Bley lässt ihr Haus abschirmen – Andere ziehen weg

WEHRHEIM. Die Diskussion um den Mobilfunkmast am Wehrheimer Bahnhof hat sich politisch beruhigt. Die Entscheidung, dass der Sendemast weiterhin betrieben wird, steht. Jetzt fühlen sich Anwohner im Stich gelassen und ergreifen selbst die Initiative: Die erste Familie zieht weg, andere lassen ihr Haus aufwändig gegen die Strahlung abschirmen. Zuerst war es nur eine leichte Unruhe, dann kamen Schlafstörungen hinzu, zuletzt fühlte sich Gerda Bley, immer wenn sie in ihrem Bett lag, wie unter Strom. „Ich hatte das Gefühl, als ob der Körper vibrieren würde,“ sagt die 65-jährige Chefin der Steintechnik Bley. Sie wohnt und arbeitet direkt am Wehrheimer Bahnhof, in unmittelbarer Nähe zum Mobilfunkmast. Meldungen, wonach die hochfrequente Strahlung von Sendeanlagen unter anderem Schlafstörungen verursachen können, sieht sie mit Skepsis. Doch dann spürt sie an ihrem Körper die ersten Symptome. Sie kann nicht mehr schlafen. „Ich habe oft noch um vier Uhr in der Früh in meinem Bett gesessen“, klagt sie. Dabei braucht sie viel Schlaf. Zehn bis zwölf Stunden, dann erst fühlt sich die Geschäftsfrau wohl.

Die Ärzte raten zu Beruhigungsmitteln, vermuten hormonelle Verschiebungen als Ursache der Schlaflosigkeit. Warum sie aber in ihrem Haus auf Gran Canaria nach einer kurzen Phase der Umstellung hervorragend schläft, kann sie sich nicht erklären. Auf Anraten von Nachbarn zieht sie einen Baubiologen zu Rate. Der untersucht das Haus im Wehrheimer Gewerbegebiet und stellt „eine sehr hohe Belastung“ fest. Die Vermutung, dass die Strahlung des Sendemastes dafür verantwortlich ist, liegt nahe, zumal Gerda Bleys Schlafzimmer exakt in Richtung Norden zeigt. Dort steht der Mast.

Der Baubiologe rät zu einer Abschirmung. Mit Spezialtapete lassen die Bleys die Außenwände bekleben. Selbst auf dem Dachboden werden Armierungsmatten verlegt. Die Kosten betragen rund 5000 Euro. Doch das Ergebnis lässt nicht auf sich warten. Nach kurzer Zeit kann Gerda Bley wieder schlafen. Fühlt sich fit.

„Schuld an meinem Zustand war der Sendemast“, sagt sie inzwischen. Den Beweis kann sie freilich nicht antreten. Deshalb sieht sie auch kaum Chancen, etwa von den Mobilfunkbetreibern einen Zuschuss zu bekommen. Aber die Indizien sprechen für sie eine deutliche Sprache.

„Die gesundheitliche Relevanz solcher Strahlung ist umstritten“, sagt Baubiologe Jürgen Löder aus Mörfelden. Er hat in Wehrheim einige Messungen durchgeführt. Gleichwohl hält der Fachmann die Darstellung von Gerda Bley für ausgesprochen „glaubwürdig“. Aktuellen Studien zufolge bestehe ein Zusammenhang zwischen der Belastung durch hochfrequente Strahlung – wie sie etwa von Mobilfunkanlagen oder Handys ausgeht – und Blutfluss und Hirnaktivität. Einer australischen Studie zufolge sei der Einfluss auf den Schlaf nachweisbar. Tatsächlich seien in den letzten beiden Jahren vermehrt Anfragen an ihn herangetragen worden, bei der Abschirmung von Häusern zu helfen. Häufig wohnten die Kunden in der Nähe von Sendemasten. Die beklagten Symptome ließen oft nach, nachdem die Häuser abgeschirmt seien. „Man kann seit etwa drei Jahren mit Spezialfolien eine Abschirmung von 90 bis 98 Prozent erreichen“, sagt Löder.

Einen anderen Weg geht jetzt die Familie Eix. Nachdem die von ihr initiierten Treffen von Politikern mit den verantwortlichen Mobilfunkbetreibern zu keinem Ergebnis gekommen sind, wird die Familie vom Wehrheimer Bahnhof wegziehen. „Wir ziehen an das andere Ende von Wehrheim und werden unsere neue Wohnung auch abschirmen lassen müssen“, sagt Gabriele Eix. Dann, so hofft sie, könnten die „massiven gesundheitlichen Störungen“, die selbst im Blutbild nachweisbar gewesen seien, endlich nachlassen. „Aber dieser Schritt ist auch ein Stück Resignation“, sagt Gabriele Eix.

Quelle: Usinger Anzeiger Lokales 17.1.2003 von Christian Rupp

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