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07.08.2007 20:43 Alter: 5 yrs

Aquakulturen auf dem Prüfstand

Kategorie: Wale / Meerestiere
Autor: Norbert Suchanek

Auch Mord?

In Brasilien wurden mehrere Einheimische, Anwohner von Garnelenfarmen umgebracht, aber die Justiz mahlt langsam. Sicher werden unsere Vertreter alle diese Fälle in Fortaleza auf den Tisch legen.

Was halten die Menschen an der Küste, Fischer und Mangrovenbewohner von der Garnelenzucht?

Wir haben rege und enge Kontakte zu einem großen Teil der fast 100 Dörfer an der 574 Kilometer langen Küste von Ceará. Die Bewohner sind traditionelle Fischer, die von der Fischerei und dem Sammeln von Meeresfrüchten in der Küstenzone und in den Mangroven leben. Sie haben stark unter der aggressiven Förderung der Garnelenzucht gelitten, und ihre Opposition gegen die Garnelenzucht ist deshalb groß.

Nachdem die Regierung Brasiliens der Garnelenzuchtexpansion seit über zehn Jahren nicht nur zugesehen , sondern auch subventioniert hat, beispielsweise mit Vorzugskrediten und günstigen Wasser- und Strompreisen. Was erhoffen Sie sich von der Regierung in Zukunft?

Die Regierung Brasilien muss sich darum bemühen, von den Unternehmern zu verlangen, dass die Gesetze respektiert werden! Es gibt Leute im Fischereiministerium, die diese Probleme erkannt haben. Die Frage ist, ob sie sich gegen die Lobby der Garnelenzüchter durchsetzen werden.

Hier im Staat Ceará ist es noch üblich, dass die vermögende Klasse sich als Besitzer des Staates aufführt und sich kaum um den Schutz des Vermögens der Bevölkerung kümmert, sie befehlen und zerstören, sei es um an der Garnelenzucht, der Fischerei, am Tourismus oder an anderen Geschäften – egal was - zu verdienen.

Kann die von der FAO gemeinsam mit dem WWF und auch der Weltbank angestrebte, mehr oder weniger ökologische oder soziale Zertifizierung der Aquakulturen die Folgen der Garnelenzucht im Nordostbrasilien lindern?

Mehr noch als Zertifizierung braucht gerade Brasilien genaue Gesetze und strenge Kontrolle, um die illegalen Unternehmer zu stoppen. Obschon bereits heute verschiedene freiwillige Zertifizierungsprogramme bestehen, haben sich von über 400 Aquakultur-Unternehmern in Brasilien nur vier um eine Zertifizierung bemüht. Solange die europäischen Konsumenten die Garnelen kaufen, ohne Fragen zu stellen, müssen sich die Produzenten hier nicht allzu sehr bemühen.

Kann man wirklich nachhaltige Garnelenzucht betreiben – ohne Mangrovenabholzung, ohne Einsatz von Antibiotika und Fischmehl aus der Gammelfischerei, ohne Wasserverschmutzung?

In Florida gibt es eine Garnelenzucht, die nach Angaben des Leiters des zum Schutz der Mangroven weltweit gegründeten Mangrove Action Project (MAP), Alfredo Quarto, diesem Ziel sehr nahe kommt. Wie schon gesagt, hier in Brasilien gibt es nur vier Farmen mit einer Zertifizierung, und sie sind aber immer noch in den roten Zahlen. Gegner und Befürworter müssen sich darum bemühen diese „Better Practices“ zu identifizieren und als Beispiel, „Benchmark“, vorzeigen.

Warum werden in Brasilien überhaupt Garnelen gezüchtet? Gibt es keine natürlichen Garnelen mehr zu fischen?

Die Garnelenzucht geschieht natürlich vor allem für den Export. Aber die Wildgarnelen sind ja auch überfischt und dann kommt noch das Problem der Schleppnetze und des Beifangs dieser industriellen Fischerei hinzu. Obschon die US-Amerikaner hie und da nach Brasilien kommen, um zu kontrollieren, ob die Garnelenkutter hier auch die Schildkrötenschutzvorrichtung TED (Turtle Escape Devices) einsetzen, geben sich die industriellen Fischerei-Unternehmer hier keine große Mühe, ihre Fischerei zu verändern. Die Schleppnetzfischerei sollte deshalb das nächste Ziel der Umweltschützer werden. Hier in Brasilien gibt es auch nachhaltige Alternativen: die traditionelle Fischerei, die die Garnelen mit speziellen Netzen fängt, ohne den Meeresboden zu zerstören und praktisch ohne Beifang - oder der Beifang wird von den Fischer als Nahrungsmittel verwertet.

Herr Schärer, Danke für das Gespräch.

Norbert Suchanek, Fortaleza/Rio de Janeiro,

segunda-feira, 30 de julho de 2007


Norbert Suchanek

Journalist und Autor
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E-Mail: norbert.suchanek@online.de

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