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04.03.2010 15:31 Alter: 2 yrs

Beschönigtes Umweltgutachten

Kategorie: Naturschutz
Autor: Norbert Suchanek

Staudamm genehmigt - Proteste gehen weiterUmweltminister Minc genehmigt Mega-Staudamm aufgrund falscher Annahmen

Brasiliens Umweltminister Carlos Minc hat am 1. Februar die Ausschreibung zum Bau des in der Welt drittgrößten Wasserkraftwerks in Amazonien genehmigt. Wissenschaftler, Umweltschützer, Ureinwohner und andere Betroffene sind empört und haben verstärkte Proteste angekündigt. “Für uns ist die Schlacht um Belo Monte noch nicht verloren", sagt Moisés Ribeiro, der Koordinator der brasilianischen Bewegung der Staudammopfer (MAB). "Das Wasserkraftprojekt ist aussichts- und sinnlos. Der Kampf geht weiter und wird intensiviert!"

Die Aufstauung des Rio Xingu, die Lebensader von über einem Dutzend Indianervölkern im Regenwald Südostamazoniens, wurde bereits während der Militärdiktatur unter dem Namen "Kararaô" geplant. Aufgrund weltweiter Proteste und einer starken, von Ethnologen unterstützten indigenen Bewegung verschwanden die Pläne 1989 aber wieder in der Schublade.

Das nun von der Regierung Lula da Silva auf dem Namen "Belo Monte" umgetaufte und jetzt genehmigte Wasserkraftprojekt mit einer, laut Umweltministerium, geplanten Leistung von 11.233 Megawatt und geschätzten Baukosten von etwa acht bis zwölf Milliarden Euro beinhaltet im wesentlichen die Errichtung von zwei, insgesamt 516 Quadratkilometer großen Stauseen sowie den Bau eines Kanals, der einer der in der Welt artenreichsten und schönsten Flussschleifen von über 100 Kilometer Länge das Wasser abgraben wird. Diese so genannte "Große Kehre" des Xingu werde nach Angaben der Staudammgegner zu stehenden Lacken, zu Brutstätten für Malariamücken verkümmern, und Millionen von Fischen werden verenden, wandernde Fischarten des Xingu könnten sogar aussterben, der Grundwasserspiegel drastisch sinken. Die in der Region lebenden Ureinwohner und Flussanwohner verlören ihre wichtigste Nahrungs- und Trinkwasserquelle.

Hermes Medeiros, ökologe der Universität Pará, sieht den extremen Artenreichtum des Xingu, wo etwa vier mal mehr Fischarten vorkommen als in ganz Europa, bedroht.

Für die Kanalbauten müssten desweiteren etwa 210 Millionen Kubikmeter Erde und Gestein ausgehoben und irgendwo deponiert werden, fast soviel wie für den Bau des Panama-Kanals. Hinzukommen Tausende Kilometer von Starkstromleitungen quer durch bisher noch intakte Regenwaldgebiete, sowie Hunderte von Kilometern von Straßen für die schweren Baufahrzeuge und der Bau von Siedlungen für mehrere Tausend Arbeiter. Der staatliche Stromkonzern Eletrobras geht lediglich von 3200 Familien aus, die es umzusiedeln und zu entschädigen gilt. Laut Ruben Siqueira von der katholischen Landpostorale würden aber wenigstens 20.000 Menschen Haus und Boden verlieren und weitere 80.000 wären indirekt betroffen. Gleichzeitig werde das Wasserkraftprojekt über 100.000 Menschen aus anderen Teilen Brasiliens auf der Suche nach Arbeit anlocken mit verheerenden Folgen für indigene Bevölkerung und Regenwald.

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