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09.11.2008 10:46 Alter: 8 yrs

Brasilien: Uranabbau verseucht Bevölkerung

Kategorie: Hintergrundinfos
Autor: Norbert Suchanek

Zähne mit Uran belastet

Das touristische Markenzeichen Bahias im brasilianischen Nordosten ist das strahlende Lächeln seiner Bewohner, zu sehen in Hunderten von Reisebroschüren. Für Bahianer im Distrikt Caetité hat dies inzwischen einen makabren Doppelsinn. Seit dem Jahr 2000 wird dort Uranerz abgebaut und zum so genannten Yellowcake aufbereitet. Mitte Oktober 2008 bezichtigte Greenpeace-Brasilien die staatlichen Uranminen von Caetité und Lagoa Real im Südosten Bahias, das Grundwasser in der Region mit radioaktivem Material verseucht zu haben.

Der Greenpeace-Bericht, »Ciclo do perigo – impactos da produção de combustível nuclear no Brasil« (Zyklus der Gefahr – Folgen der Produktion von nuklearem Brennstoff) macht die gesundheitlichen Gefahren deutlich, denen Tausende von Bahianer durch Uranbergbau, Aufbereitung und Abtransport ausgesetzt sind.

Der Greenpeace-Bericht – er basiert auf Wasserproben, die vergangenen April in der Region entnommen und in der Universität von Exeter in England untersucht wurden – bestätigt die Ergebnisse der brasilianischen Wissenschaftlerin Georgia Reis Prade von der Universität von Santa Cruz in Bahia. Im Rahmen ihrer Dissertation über »Urankontamination der Umwelt im Distrikt von Caetité« untersuchte sie im vergangenen Jahr die von Zahnärzten gezogenen Zähne der Bewohner in der Region des Uranbergbaus in Bahia auf Uran-Spuren. Die Urangehalte in den Zähnen, so Georgia Reis Prade, entsprächen mit einer Abweichung von etwa 10 Prozent den Urangehalten in den Knochen.

Das erschreckende Ergebnis ihrer Studie: Die Bewohner in der Umgebung der Mine von Lagoa Real sind 50 Mal stärker mit Uran belastet als die Menschen im globalen Durchschnitt. Noch schlimmeren Belastungen sind die Bewohner in der Region von Caetité ausgesetzt. Die Urankonzentration in ihren Zähnen entspricht gar dem hundertfachen des globalen Durchschnitts.

Norbert Suchanek
Journalist und Autor
Internet: www.norbertsuchanek.org
E-Mail: norbert.suchanek(at)online.de