Startseite->Artikel->Der Antennenwald wird dichter
Der Antennenwald wird dichter
Kategorie: MobilfunkAutor: Bürgerinitiative Omega Klaus Rudolph
TC-Mitglieder drohten wegen Sender mit Austritt/Einspruch gegen Mast in Hegnach.
ZVW Online Lokales 14.1.2003
Von unserem Redaktionsmitglied Andreas Kölbl
Waiblingen. Beinstein ist kein Einzelfall. Je dichter der Antennenwald wächst, desto mehr Widerstand gegen Mobilfunkanlagen regt sich. Der Tennisclub Waiblingen etwa lehnte neulich ab, einen Mast auf seinem Gelände bauen zu lassen. Vorstandsmitglieder hatten mit Austritt gedroht.
Im Sinne ihrer „Minimierungsstrategie“ hätte die Stadt noch recht gut damit leben können, wenn Mobilfunkbetreiber Vodafone eine 24 Meter hohe Sendeanlage wie geplant auf dem Tennisgelände zwischen Waiblingen und Neustadt errichtet hätte (wir berichteten). „Lieber in Richtung Pampa“ als mitten ins Siedlungsgebiet so brachte Umweltschutzbeauftragter Klaus Läpple die Strategie des kleineren Übels auf den Punkt. Doch der Tennisclub als Nutzer des ihm in Erbpacht überlassenen städtischen Grundstücks erteilte dem Vorhaben eine Absage.
In einer Sitzung des Vorstands drohten Mitglieder für den Fall einer Zusage mit Austritt, berichtet TC-Vorsitzender Walter Dorn. „Fast alle haben gesagt, das kommt überhaupt nicht in Frage.“ Der Klubchef selbst, von Beruf Ingenieur, hätte eigentlich „nur“ ästhetische Bedenken gehabt. „Für mich ist das eine Frage von Schönheit und Verschandelung.“ Die Mehrheit äußerte aber außerdem massive Sorgen um die Gesundheit. „Diese Ängste sind ernst zu nehmen“, sagte sich Dorn und zog die Konsequenz: „Wir wollen keine Antenne, für welchen Betrag auch immer.“ Die vorgeschlagene Miete, von der ein Teil an die Stadt und ein Teil an den Verein gegangen wäre, sei sowieso „lächerlich“ gewesen. Einen exakten Betrag nennt der Vorsitzende nicht, lässt aber durchblicken: „Wenn bloß ein oder zwei Mitglieder ausgetreten wären, dann hätten wir schon Miese gemacht.“
Nächstes Beispiel: die Hauptstraße in Hegnach. Hermann Wurst hat bei der Stadt gegen den Ausbau einer Vodafone-Antenne am Haus seines Nachbarn Einspruch eingelegt. „Die Optik ist sicher nicht klasse, aber letztendlich ist mir das egal.“ Den Ausschlag gibt auch für Wurst der gesundheitliche Aspekt. Der Familienvater bezieht sich auf die Berichte über erhöhte Krebsraten unter ehemaligen Bundeswehr-Soldaten, die jahrelang starker Radarstrahlung ausgesetzt waren. „Ich seh’ nicht ein, dass meine Tochter als Langzeitstudie herhalten soll.“ Noch wartet Wurst ab, was auf den Einspruch folgt. Wird er abschlägig beschieden, will der Antennengegner keinesfalls die Flinte ins Korn werfen. Ein paar Unterstützer hat er schon zusammengetrommelt.
Im Fall Beinstein hat sich seit Verabschiedung der Mobilfunk-Resolution durch den Ortschaftsrat nicht viel getan. „Vodafone ist ein Unternehmen, bei dem man wegen so etwas nicht gleich vom Stuhl fallen muss“, ist sich Ortsvorsteher Thilo Schramm über die Machtverhältnisse im Klaren. Immerhin sei der beschlossene Text zur Kenntnis genommen worden.
Die Gespräche mit den Antennenbetreibern laufen weiter, gestern Nachmittag traf sich Schramm mit dem Vodafone-Bezirksleiter. Zunächst wird noch die Messung abgewartet, die die Ortschaftsverwaltung bei einem unabhängigen Umweltinstitut in Auftrag gegeben hat. Die soll wahrscheinlich noch im Januar, spätestens aber Anfang Februar erfolgen.
Beiträge der BI Omega finden Sie auch noch unter:
BI Omega
BI Omega
BI Omega
BI Omega
