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Der gefährliche Traum von einer nachhaltige Biotreibstoff-Plantage
Kategorie: Erneuerbare EnergienAutor: Norbert Suchanek
Von Papua-Neuguinea, den Philippinen über Indonesien, Ghana und Sambia bis Guatemala und Brasilien: Indigene Völker und Klima werden die Verlierer sein des von Steuergeldern aus vielen Ländern angeheizten Biotreibstoff-Booms. Die Gewinner haben Milliarden Dollar schwere Namen wie George Soros oder Bill Gates, die in einem Boot mit Agrar-Konzernen, Erdölfirmen, Abholzungsunternehmen und Gentechnikingenieuren rudern und Milliarden an Euros und US-Dollar in die globale Biospritproduktion pumpen.
Egal ob man aktuelle Regierungs- oder Konzernberichte, eine Tageszeitung, ein Fachmagazin, Pressemitteilungen der Grünen Partei oder den jüngsten Energie-Report von Greenpeacer-international liest: Die Ausweitung des Biotreibstoffanbaus wird als Heilmittel für unseren, unter menschlichen Hitzewallungen leidenden Planeten propagiert. Unterschied ist lediglich, dass die unterschiedlichen Autoren mehr oder weniger Wert auf „nachhaltige“ Anbaumethoden legen. Das Einsprenkeln von Floskeln wie „Nachhaltigkeit“, „sozial verantwortlich“ oder „zertifiziert“ soll ja in Wirklichkeit auch nur Sand in die Augen einer kleinen kritischen Restöffentlichkeit streuen, die der wunderbaren rosaroten Biospritwelt, an der alle Menschen - ob Konzernboss, Kleinbauer oder Otto-Normalsprit-Verbraucher - profitieren können, nicht so ganz Glauben schenken wollen. Und zwar mit Recht: Denn der Boom der Agrartreibstoffe wie Ethanol, Biodiesel oder andere auf Plantagen wachsende Biomassen zur Energieerzeugung sind der Sargnagel für viele, bis heute noch nicht abgeholzte, tropische Wälder und noch nicht unter der Plantagenwirtschaft leidende Gebiete Lateinamerikas, Südostasiens, Schwarzafrikas und der Pazifikregion. Alles Gebiete, in denen noch heute Hunderte von Millionen Menschen und Tausende von indigenen Völkern leben und diese Flächen nachhaltig und Klima schonend nutzen.
Nun mit dem Einzug des Agrartreibstoff-Wahns, wie der aktuelle GRAIN-Report "No to the agrofuels craze!" den Biospritboom bezeichnet, müssen diese zahlreichen, namenlosen Menschen mit so bekannten Größen und Konzerne wie George Soros, Bill Gates, Shell oder British Petroleum, um ihren Grund und Boden konkurrieren. Der internationale Spekulant Soros habe sich seit 2002 Zehntausende von Hektar Land in Argentinien und Brasilien angeeignet und investiere mit seiner Firma Adenco vor allem in Zuckerrohr und Mais verarbeitende Ethanolfabriken, so die internationale in Spanien ansässige Nichtregierungsorganisation GRAIN, die sich seit über 15 Jahren für eine nachhaltige, artenvielfältige Landwirtschaft einsetzt und unter anderem von "Brot für die Welt" und "Misereor" gefördert wird. Ihrer Meinung nach sollte man gerade auch aus handfesten Klimaschutzgründen eher auf Agrartreibstoffe verzichten, als auf diese zu setzen. Jüngste Studien zeigten, dass zur Produktion von einer Tonne Biodiesel aus Palmöl zwei bis acht Mal mehr Kohlendioxid freigesetzt werde, als bei der Verbrennung der gleichen Menge von Erdöl-Diesel. Außerdem seien die in der industriellen Landwirtschaft und damit auch die in der Agrarsprit-Produktion eingesetzten Kunstdünger hauptverantwortlich für die Freisetzung des noch viel schädlicheren Klimagases Stickoxid.
Obwohl es selten erwähnt werde, so Grain, ist die industrielle Landwirtschaft direkt verantwortlich für 14 Prozent der Treibhausgasemissionen. Weitere landwirtschaftliche Kohlendioxidemissionen entstünden durch veränderte Landnutzung, hauptsächlich ausgelöst durch Umwandlung von Waldökosystemen in Monokulturen, was derzeit eben besonders durch den Palmöl-Biodieselboom in Indonesien und Malaysia geschehe. Aber nicht nur diese beiden Länder: Auch das bislang noch Regenwaldreiche und von traditionellen Kulturen geprägte Papua-Neuguinea oder die Philippinen wollen sich mit Hilfe internationaler Investitionen zu einem großen Biodiesel- oder Biodiesel-Rohstoffexporteur aufschwingen – zu Lasten von Regenwald und Tausender nachhaltig wirtschaftender Subsistenzbauern.
