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16.05.2008 07:00 Alter: 4 yrs

Deutscher Stahlkonzern holzt Mangroven ab und verseucht Meeresbucht in Brasilien

Kategorie: Naturschutz, Hintergrundinfos
Autor: Norbert Suchanek

Der Autokonzern General Motors lobte vor kurzem den deutschen Stahlriesen ThyssenKrupp als seinen besten Stahllieferanten 2007 und verlieh ihm die Auszeichnung „Best of the Best“. Die letzten Fischer der Bucht von Sepetiba vor den Toren Rio de Janeiros sehen das anders. Für sie ist ThyssenKrupp „the Worst of the Worst“. Sie klagen den Stahlkonzern wegen massiver Umweltverschmutzung und Verletzung der Menschenrechte an. Rettet den Regenwald Hamburg unterstützt die Forderungen der Fischer und Umweltschützer von Rio de Janeiro.

Seit September 2006 baut ThyssenKrupp an einem neuen rund drei Milliarden Euro verschlingenden Riesenstahlwerk in Sepetiba. Die ThyssenKrupp CSA Siderúrgica do Atlântico wird zwar erst voraussichtlich im kommenden Jahr fertig sein und 3.500 Arbeitsplätze schaffen, doch bereits während der Bauphase habe es die Existenz der über 8.000 Fischer und ihrer Familien faktisch zunichte gemacht. So die Klage von lokalen Bürgerinitiativen und Menschenrechtsgruppen, die bereits seit vergangenem Jahr gegen den Stahlkonzern vor Gericht klagen. Am 13. Mai werden sie den Fall ThyssenKrupp nun auch vor das ständige Tribunal der Völker (TPP) im peruanischen Lima bringen.

Dank ThyssenKrupp sei das Fischen in der Bucht unmöglich geworden. Der Fischbestand sei extrem zurückgegangen und der wenige Rest mit Schwermetallen belastet. „Das Stahlwerk entsteht innerhalb eines Naturschutzreservats, in dem die Fische der Bucht laichen und heranwachsen“, erläutert Ivo Siqueira Soares, Präsident der Vereinigung der Fischer von Pedra de Guaratiba. Zum einen vernichtete ThyssenKrupp während der Bauarbeiten vier tausend Quadratmeter für die Meeresökologie wichtigen Mangrovenwald. Zum anderen setzten das Ausbaggern des Fahrrinne und des vorgesehenen Hafenbeckens mit seinem vier Kilometer langen Pier für Riesenfrachtschiffe hochgiftigen mit Schwermetallen belasteten Abraumschlamm eines früheren Minenbetriebs (Ingá Mercantil) frei, der nun das Meeresökosystem und insbesondere biologisch empfindliche Teile der Bucht verseucht. Siqueira Soares: „Dies vertreibt die Fische und vergiftet sie mit Cadmium und Zink.“ Die Hafenanlagen entstünden außerdem exakt in dem Teil der Bucht, wo die Fischer früher die besten Fänge hatten.

Laut Rechtsanwalt Victor Mucare, der die Vereinigung der traditionellen Fischer Rio de Janeiros vertritt, sei ThyssenKrupps CSA klar verantwortlich für die durch die Bauarbeiten entstandenen ökologischen und sozialen Schäden in der Region, wobei bestehende Umweltschutzgesetze verletzt oder gar nicht umgesetzt wurden. Die Umweltschuzbehörde IBAMA habe zwar vergangenen Dezember aufgrund der Klagen der Fischer und der klar sichtbaren, verbotenen Mangrovenabholzung einen Baustopp gegen die CSA verhängt. Doch diese IBAMA-Anweisung wurde nicht umgesetzt, und die Bauarbeiten liefen unabhängig davon weiter.

Die schon seit zwei Jahren gegen das Stahlwerkprojekt vorgebrachten Klagen der Fischer und Umweltschützer Rio de Janeiros kümmerte bisher weder den Vorstand der ThyssenKrupp AG noch den brasilianischen Staatspräsidenten. Luiz Inácio Lula da Silva besuchte erst vergangenen Februar die Baustelle der CSA Siderúrgica do Atlântico. Präsident Lula lobte dabei „die große Einsatzbereitschaft und hohe Kompetenz der über 10.000 Arbeiter auf der Baustelle und der 600 Mitarbeiter von ThyssenKrupp CSA.“ Und ThyssenKrupp-Vorstand Karl-Ulrich Köhler ergänzte: „Das 3 Milliarden Euro teure Werk wird eine stabile Basis für die Fortsetzung dieser exzellenten Beziehungen sein.“ Lob für ThyssenKrupp gab es ebenso von Rio de Janeiros Bürgermeister Cesar Maia: “ThyssenKrupp CSA gebührt Dank hierfür und Rio de Janeiro darf sich zur Ansiedlung dieses Unternehmens beglückwünschen.”

Auch auf der offiziellen Website von ThyssenKrupp CSA findet sich kein Wort über die Klagen der Fischer von Sepetiba. Stattdessen ist zu lesen: „Die Auslegung des Werks orientiert sich an modernster Technologie und an höchsten Umweltstandards. ThyssenKrupp CSA hält nicht nur die in Brasilien geltenden Umweltschutzrichtlinien ein, sondern die weitaus schärferen europäischen Vorgaben. Für ThyssenKrupp Steel ist das neue Stahlwerk ein Jahrhundertprojekt. Und der Schlüssel für eine Vorwärtsstrategie, die das Unternehmen in eine dauerhaft erfolgreiche Zukunft führt.“ Für die Familien, die seit Generationen vom Fischfang in der Bucht von Sepetiba leben, scheint jedoch die Zukunft als Fischer dauerhaft vernichtet zu sein!

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