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30.12.2002 21:49 Alter: 9 yrs

Elektrosmog: Tierisches Leiden im Kuhstall

Kategorie: Ökologische Landwirtschaft
Autor: Bürgerinitiative Omega Klaus Rudolph

Eine verheerende Situation

Die beiden Eulenkästen im Scheunengiebel wurden inzwischen vorsorglich dichtgemacht. Dieser Platz ist von der hochfrequenten Antennenstrahlung besonders betroffen: 2,6 Volt pro Meter ergab eine amtliche Messung der kantonalen Baudirektion. Das ist der höchste Wert auf dem Rütlihof, aber immer noch weit unter dem so genannten Anlagegrenzwert von sechs Volt pro Meter.

Hans Sturzenegger leidet auch am eigenen Leib. Der Arzt habe bei ihm ein untypisches Weichteilrheuma diagnostiziert. Erst eine homöopathische Behandlung und der Verzicht auf tierisches Eiweiß brachten eine Besserung.

Hans Sturzenegger ist nicht technikfeindlich. Dennoch rang er Orange die schriftliche Erklärung ab, für «schuldhaft verursachte Schäden» zu haften. Ein wertloses Stück Papier – denn kein seriöser Wissenschaftler konnte bisher einen direkten Zusammenhang zwischen Mobilfunkantennen und bestimmten Krankheiten zweifelsfrei beweisen. «Lediglich thermische Effekte bei sehr hoher Strahlungsintensität weit über den Grenzwerten sind wissenschaftlich nachgewiesen», sagt Gregor Dürrenberger, Leiter der Forschungsstiftung Mobilkommunikation an der ETH Zürich. Es fehlten jedoch Langzeituntersuchungen mit niedrigen Strahlendosen. Dürrenberger: «Das Problem ist zu komplex für eine robuste Aussage.»

Eine verheerende Situation für alle, die unter der Strahlung leiden. Auf zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung schätzt die Schweizerische Energiestiftung den Anteil der elektrosensitiven Menschen. Sie fordert daher einen «sanften» Mobilfunk mit einem Grenzwert von 0,6 Volt pro Meter.

Inzwischen hat auch das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft reagiert: Es schlägt ein interdisziplinäres Nationales Forschungsprogramm zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen des Elektrosmogs auf Menschen und Nutztiere vor. Bis zum Jahr 2009 sollen die Ergebnisse auf dem Tisch liegen – vorausgesetzt, das Projekt wird bewilligt.

Ärzte fordern Ausbaustopp

So viel Geduld haben nicht alle. Seit Oktober machen Schulmediziner und Naturheilärzte aus Deutschland und der Schweiz gemeinsam Front gegen den zunehmenden Elektrosmog. Der «Freiburger Appell» nennt zahlreiche Erkrankungen, die dramatisch zugenommen hätten – darunter Schlaganfälle, Herzinfarkte, Leukämie und Hirntumore. Aber auch Ohrgeräusche, innere Unruhe und Schlaflosigkeit werden den Mobilfunkwellen zugeschrieben.

Die Ärzte des «Freiburger Appells» behaupten, die räumlichen und zeitlichen Zusammenhänge seien beachtlich, und schließen Zufälle weitestgehend aus. Sie fordern unter anderem einen Ausbaustopp des Mobilfunknetzes, eine massive Grenzwertreduktion und mobilfunkfreie Zonen.

Für Hans Sturzenegger sind seltene Tierkrankheiten trauriger Alltag geworden. Vor wenigen Tagen wurden Zwillingskälbchen geboren: das eine tot, das andere mit trüben Augen, ohne Lebenswillen und Schluckreflex. Auch dieses Tier ist in der Zwischenzeit gestorben.

Trotz Ohnmachtsgefühlen und Wut gibt Hans Sturzenegger nicht auf. Er hofft auf die neu geschaffene Ombudsstelle Mobilkommunikation und Umwelt in Bern (siehe «Artikel zum Thema»). Und einen konkreten Vorschlag hat er auch: «Die Antenne für drei Jahre abschalten und sehen, was dann passiert.»

Nachricht von Alfred Gertsch

Quelle: http://www.beobachter.ch/


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