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30.12.2002 20:47 Alter: 9 yrs

Es geht nicht um „emotionale Barrieren“ vor der Mobilfunk-Technologie

Kategorie: Mobilfunk
Autor: Bürgerinitiative Omega Klaus Rudolph

Zu "450 Sendeanlagen geplant"
(Frankfurter Rundschau vom 4. Dezember) von Michael Grabenströer.

Der Bericht liest sich wie eine Erfolgsstory der Mobilfunk-Technologie. Da wird von der Einführung einer neuen Mobilfunk-Generation gesprochen. Es soll wohl der Eindruck erweckt werden, als würde sich eine problemlosere, mit weniger Elektrosmog belastete Mobilfunkvariante abzeichnen. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Die UMTS-Betreiber streben vielmehr an, noch umfassender und flächendeckender unser Land mit Funkantennen zu überziehen. Die Belastung, die schon heute von vielen Menschen nicht ohne Gesundheitsschäden verkraftbar ist, werden vielmehr weiter ansteigen. Wenn der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) in dem Beitrag mit den Worten zitiert wird, die T-Mobile-Macher sollten „sensibel mit den emotionalen Barrieren der Bevölkerung umgehen“, dann ist solcher Zynismus kaum zu überbieten.

Es geht nicht um „emotionale Barrieren“. Alltägliche Beobachtungen, Erfahrungsmedizin und immer noch aktuelle Forschung liefern Hinweise und Beweise, dass der vom Mobilfunk ausgestrahlte Elektrosmog an der Begünstigung und Auslösung vieler gesundheitlicher Störungen beteiligt ist, wie zum Beispiel Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Lernstörungen bei Kindern, erhöhter Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Potenz- und Fruchtbarkeitsstörungen, Blutbildveränderungen und Störungen der Blutbildung, beschleunigtes Krebswachstum, Immunschwäche, Erbgutschäden… Die Mobilfunkbetreiber, die unteren Genehmigungsbehörden, die Regulierungsbehörden halten in der Tat die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte ein. Diese schützen uns allerdings nicht. Sie sind so hoch angesetzt, dass immer mehr gesundheitsgefährdende Mobilfunkstationen gebaut werden können, weil ein Überschreiten dieser liederlich und fahrlässig festgelegten Grenzwerte überhaupt nicht erforderlich ist, damit die Mobilfunkanlagen optimal funktionieren.

Die derzeitigen Grenzwerte sind keine Vorsorgewerte und bieten außer vor der Überwärmung des Körpers keinerlei Schutz für den Menschen. Der gesetzlich vorgegebene Grenzwert, auf den sich Betreiber und Behörden berufen, ist nach seriösen wissenschaftlichen Expertisen um ein Mehrhundertfaches zu hoch angesetzt, weil die Politik das große Geld der Mobilfunkbetreiber und nicht die Gesundheit von Bürgerinnen und Bürgern schützt.

Die Aufforderung von Minister Posch zu „einer verstärkten Aufklärung der Bevölkerung durch die Netzbetreiber“, gekoppelt mit der Feststellung „Gesundheitsgefahren schloss Posch aus“, ist nichts weniger als eine direkte Aufforderung an die Mobilfunkbetreiber, ihre Verniedlichungs- und Verdummungspropaganda des Mobilfunks noch zu verfeinern. Dass diese Taktik heute noch gelingen wird, ist zu bezweifeln. Immerhin gibt es inzwischen etwa 1300 Bürgerinitiativen (BIs) in Deutschland, die in dem Dachverband Bürgerwelle vernetzt sind. Im Jahr 2001 wurden durch BIs über 600 Sendeanlagen verhindert, selbst 50 Meter hohe, bereits genehmigte Masten. Bei ihrem „optimistischen“ Zukunftsblick (Zitat des Mobilfunkkonzerns T-Mobile: „Dass wir mit UMTS Geld verdienen werden“) haben die Unternehmen wohl noch immer nicht mitbedacht, dass es zunehmend mehr Protest und Widerstand gegen den Bau neuer Mobilfunk-Sendeanlagen geben wird.

Es gibt vergleichbare Beispiele aus der Geschichte der jüngeren Bundesrepublik. Der seinerzeitige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) verzichtete entnervt auf eine atomare Wiederaufbereitungsanlage, weil diese politisch nicht durchsetzbar sei. Franz-Josef Strauß (CSU) wollte den Beweis des Gegenteils erbringen und setzte den Bau einer WAA in Wackersdorf in Gang. Wegen der zu hohen sozialen Kosten (Widerstand der einheimischen Bevölkerung und der bundesweiten Anti-Atom-Bewegung) wurde der Bau aufgegeben.

Eine atomare Wiederaufbereitungsanlage haben also die Bürger verhindert. Ebenso den Bau des Atommeilers in Wyhl. Der fertig gebaute „Schnelle Brüter“ in Kalkar ging auf Grund des Bürgerwiderstandes nie ans Netz. Damit waren zwar und sind bis heute nicht die Gefahren und Schädigungen durch atomare Verstrahlungen gutzumachen, schon gar nicht bei dem Problem Atommüll.

So weit darf es mit dem Elektrosmog nicht kommen. Solange die in Deutschland geltenden Grenzwerte für elektromagnetische Strahlen gelten, ist Protest und Widerstand angesagt. Zumal es bereits realisierbare Alternativen ohne die gesundheitlichen Risiken gibt.

Klaus Vack, Sensbachtal

Nachricht von Alfred Tittmann


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