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Gefährliche Freisprechanlage im Auto
Kategorie: MobilfunkAutor: Bürgerinitiative Omega Klaus Rudolph
Telefonieren am Steuer über Lautsprecher bringt keinerlei zusätzliche Sicherheit. Es verlängert sogar Verkehrsstaus.
Welt am Sonntag 2. 2. 2003
Salt Lake City. Ganz gleich ob mit Freisprechanlage oder ohne - das Telefonieren am Steuer stellt für den Fahrer in jedem Fall eine drastische Ablenkung vom Verkehrsgeschehen dar und führt zu Unfällen.
Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der University of Utah auf Grund einer erweiterten Studie zur Reaktionsfähigkeit von Autofahrern. Die Forscher sprechen von einer „Unaufmerksamkeits-Blindheit“, weil das Gehirn visuelle Informationen nicht mehr verarbeitet.
„Selbst wenn der Fahrer seinen Blick auf die Geschehnisse im Verkehr richtet, sieht er viele Vorgänge nicht wirklich, weil seine Aufmerksamkeit anderweitig in Anspruch genommen ist“, stellen David Strayer, Frank Drews und William Johnston in ihrer Untersuchung fest, die in der März-Ausgabe des „Journal of Experimental Psychology: Applied“ veröffentlicht wird.
Das Phänomen „Unaufmerksamkeits-Blindheit“ erklärt das Ergebnis einer vorangegangenen Testreihe der Psychologen, die ergeben hatte, dass telefonierende Fahrer mit dem Handy in der Hand ebenso viele rote Ampeln überfuhren wie mit einer Freisprechanlage. Bereits das legte den Verdacht nahe, dass das Telefonieren selbst und nicht das Hantieren mit dem Apparat der Ablenkungsfaktor ist.
Außerdem fanden sie bereits damals, dass Radio hören oder eine Unterhaltung mit dem Beifahrer keinen negativen Einfluss auf die Aufmerksamkeit ausübten.
Mit Hilfe eines Fahrsimulators, der rundum auf Monitoren realistische Verkehrssituationen darstellte, untersuchten die Forscher jetzt, wie die „Unaufmerksamkeits-Blindheit“ zu Stande kommt. Am Armaturenbrett war ein Freisprech-Handy angebracht, und den Versuchspersonen wurden verschiedene Situationen vorgespielt.
Während nicht telefonierende Probanden auf einer Umgehungsstraße mit rund 60 Kilometer pro Stunde fehlerlos fuhren, kam es bei derselben Anzahl von telefonierenden Fahrern zu drei Auffahrunfällen. Zwar hatten die Telefonierer während des Gesprächs den Abstand zum vorausfahrenden Auto sogar vergrößert, doch bei Bremsungen reagierten sie deutlich zu langsam. Und auch ein erneutes Anfahren erfolgte mit Verzögerungen.
„Diese Fehlreaktionen zeigten sich umso deutlicher, je dichter der Verkehr war“, stellt Frank Drews fest. „Ein solches Verhalten verschlimmert sogar einen Stau, da es den Verkehrsfluss verlangsamt.“
Auch an Werbeplakaten am Straßenrand konnten Telefonierer sich schlechter erinnern. „Das Gespräch mindert die Wahrnehmung für einzelne Objekte im Verkehrsgeschehen“, so die Forscher. „Das Fahrvermögen sinkt, weil die Aufmerksamkeit vom äußeren Geschehen abgelenkt ist.“ Eine Messung der Augenbewegungen ergab, dass telefonierende Fahrer ein Werbeplakat ebenso lange anschauten wie nicht telefonierende. Dennoch glaubten die Telefonierer bei einer anschließenden Präsentation, viele der Plakate nie gesehen zu haben.
„Etwas anschauen oder es wirklich wahrnehmen sind also zwei unterschiedliche Dinge“, so David Strayer - ein kleiner, aber wesentlicher Unterschied, der das Unfallrisiko beim Telefonieren vervierfacht.
Quelle: www.wams.de/data/2003/02/02/38385.html
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