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27.01.2003 17:54 Alter: 9 yrs

Gefährliche Mobilfunkantennen

Kategorie: Mobilfunk
Autor: Bürgerinitiative Omega Klaus Rudolph

Stumm stehen sie da. Auf Dächern oder eigens gebauten Türmen. Sie fangen Handy-Gespräche auf und senden sie weiter. Über elektro-magnetische Wellen. Man kann sie nicht sehen oder hören, nicht spüren oder riechen.

Ein Beitrag von Armgard Müller-Adams

Auch am Saarbrücker Homburg ist seit einigen Monaten ein Mobilfunksender in Betrieb.

Mehrere Anwohner fühlen sich durch seine Strahlung bedroht und haben eine Bürgerinitiative gegründet. Mathias Gund ist ihr Sprecher und berichtet, dass sich ihre Sorgen schon zu bestätigen scheinen: „Das wird uns zumindest von Anwohnern hier berichtet, die seit Inbetriebnahme der Sendereinrichtung über Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Müdigkeit tagsüber und auch Probleme mit Ohrgeräuschen, Stichwort Tinnitus, klagen.“

Mehr Daten - mehr Antennen

Doch die Landesregierung hofft, dass noch mehr Sender aufgestellt werden. Denn das Saarland soll auf die künftige UMTS - Technologie vorbereitet werden. UMTS - Handys sollen bald neben Sprache auch Musik, Fotos und Videos empfangen und versenden.

Dadurch wird die Datenmenge, die überspielt werden muss, größer. Also müssen mehr Sender her, die sie weiterleiten. Um die künftigen Sorgen der Anwohner schon im Vorfeld auszuräumen, unterstützt die Regierung jetzt landesweit die Strahlung erfassen – in einem so genannten „Messkataster“, erklärt Daniela Schlegel-Friedrich, Staatsekretärin im saarländischen Wirtschaftsministerium:

„Wir wollen auf der einen Seite neue Mobilfunktechnologien wie z.B. UMTS unterstützen, auf der anderen Seite das aber so transparent machen, weil wir die Befürchtungen der Bevölkerung ernst nehmen und insofern hier auch gerne ein Projekt unterstützen, die Strahlenintensität, die an den Standorten entstehen aufzuzeichnen und transparent zu machen.“

Strahlung und Grenzwerte

Ab Januar geht's los: an 120 Stellen im Saarland werden mobile und feste Stationen die Belastung registrieren. Die Bürger können dann per Internet oder übers Telefon erfragen, wie hoch die Strahlung in ihrer Nachbarschaft ist.

Mit der Zahl der Mobilfunksender muss die Belastung aber nicht zwangsläufig steigen, meint
Professor Dr. Wolfgang Langguth von der Hochschule für Technik und Wirtschaft. Denn viele kleine Sender ergäben eine geringere Feldbelastung als ein einzelner großer Sender, der für ein großes Gebiet abdecken muss.

Wenn die Strahlung unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte liegt, ist die Errichtung neuer Mobilfunksender grundsätzlich erlaubt.

Aber immer mehr Wissenschaftler befürchten, dass schon eine wesentlich geringere Strahlenbelastung die Gesundheit gefährden könnte. Studien scheinen den Verdacht zu bestätigen.

Dr. Ulrich Warnke, Biophysiker an der Universität des Saarlandes, spricht von konsistenten Hinweisen: „Konsistent heißt, es werden immer die gleichen Versuche wiederholt mit den gleichen Ergebnissen. Das ist kein Beweis, aber ein Hinweis, und die Hinweise heißen: gentoxische Effekte, Effekte am Immunsystem, Effekte am Herz-Kreislaufsystem. Das ist schon sehr besorgniserregend, aber vor allem eben auch Krebserkrankungen.“

Der Bio-Physiker vermutet außerdem, dass die Messungen im künftigen Kataster unter Umständen nicht sehr aussagekräftig sein könnten: „Es gibt Wellen, die sich überlagern, da entstehen Muster. An einigen Stellen löscht sich das Feld aus, an anderen addiert es sich. Diese Muster scheinen eine besondere Bedeutung zu haben und die werden durch die Messungen nicht deutlich. Wenn ich an einer Stelle einen Messwert habe, dann kann es sein, dass ein paar Meter weiter ein ganz anderer Wert ist.“

Immunsystem

Auch die Bürgerinitiative am Saarbrücker Homburg glaubt nicht an die Zuverlässigkeit der neuen Messungen und geht jetzt ihren eigenen Weg.

Über 100 Anwohner lassen regelmäßig ihre Blutwerte kontrollieren, um herauszufinden, ob die Antenne ihre Gesundheit schädigt. Sie wollen wissenschaftlich beweisen, dass Mobilfunkstrahlung das Immunsystem schwächt, sagt Sprecher Matthias Gund: „Bei diesen Bluttests werden die Reticolozyten, das sind weiße Blutkörperchen, ausgelesen und gezählt, die sich wohl durch eine Mobilfunkstrahlung in der Zahl vermehren. Und die Zahl lässt sich durch eine objektive, maschinelle Auslesung ermitteln und bei einer 2. Messung, die dann etwa 6 Monate später stattfindet, mit veränderten Zahlen vergleichen.“

Kommenden März werden die Nachbarn wissen, ob sich ihr Blutbild seit dem Sendestart der Mobilfunkantenne negativ verändert hat. Die Ergebnisse werden dann mit Blutuntersuchungen an anderen Standorten verglichen. So soll sich klären, ob es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Mobilfunksendern und den körperlichen und psychischen Beschwerden ihrer Anwohner gibt.

QUELLE: SR Fernsehen Südwest vom 26.01.2003

Nachricht von Jeannot Pesché, Administrator EuroTa



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