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21.06.2005 10:40 Alter: 7 yrs

Globales Geschäft mit Trinkwasser

Kategorie: Gesundheit und Ernährung
Autor: Norbert Suchanek

Vandana Shiva: „Blut wurde nicht nur für Öl vergossen, sondern auch für die Kontrolle über Wasser.“

Richard Holbrooke war einst US-Sonderbeauftragter für Bosnien. Als er beim Berliner Bürgermeister Eberhard Diepgen vorsprach, bat er allerdings nicht um Hilfe für Bosnien, sondern diente als „Türöffner“ für Azurix, der Wassertochter des US-Konzerns Enron. Azurix wollte damals die Berliner Wasserwerke übernehmen. Die Sonderpädagogin Gunda Röstel war einst als Sprecherin an der Spitze von Bündnis 90/Die Grünen. Für die Tochter des Atomenergiekonzerns E.ON, Gelsenwasser, macht sie sich heute als Managerin für die Privatisierung der Wasserversorgung vor allem in Ostdeutschland stark. George Shultz war früher Staatssekretär unter Präsident Ronald Reagan. Unter George W. Bush plädierte Shultz in vorderster Front als Vorsitzender des Pro-Kriegs-Komitees sowie als Ex-Präsident und Aufsichtsratmitglied des Bechtel-Konzerns, der auch den Wahlkampf von Bush mitfinanzierte, für den Irakkrieg. Bechtel bekam anschließend von der Bush-Regierung einen 680 Millionen Dollar-Auftrag zum Wiederaufbau der Infrastruktur im Irak, zu der auch die Trinkwasserversorgung der irakischen Bevölkerung gehört. Drei Beispiele dafür, dass im Geschäft mit Wasser nichts heilig und im Gegenzug viel zu verdienen ist. So schätzte das US-Wirtschaftsmagazin Fortune vor einiger Zeit den Umsatz der Wasserindustrie auf 400 Milliarden Dollar jährlich ein.

„Blut wurde nicht nur für Öl vergossen, sondern auch für die Kontrolle über Wasser.“ Als die indische Ökologin Vandana Shiva dies 2003 über den Irak-Krieg sagte, dachte sie auch an die katastrophale Wasserpolitik Bechtels in Bolivien. Auf Druck der Weltbank hat das auf Schuldenerlass hoffende Bolivien Ende der 1990er Jahre begonnen, die Wasserversorgung zu privatisieren. Ein Tochterunternehmen der Bechtel-Gruppe bekam 1999 den Zuschlag für die Wasserwerke der bolivianischen Stadt Cochabamba mit über 500.000 Einwohnern. Als Folge davon stieg der Wasserpreis um bis zu 200 Prozent. Die mehrheitlich indianische Bevölkerung musste schließlich für die Wasserversorgung Monat für Monat bis zu 30 Prozent des Durchschnittseinkommens bezahlen. Was bezogen auf deutsche Einkommensverhältnisse einen monatlichen Wasserpreis von rund 500 Euro bedeutete. Das machten die Menschen Cochabambas freilich nicht mehr mit und gingen auf die Straße. Es kam zu Massenprotesten, die selbst nach der Verhängung des Notstands und einem blutigen Militäreinsatz nicht endeten. Schließlich kündigte die Regierung im Jahr 2000 einseitig den Vertrag mit Bechtel, der nun im Gegenzug Bolivien auf 25 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt hat.

Vandana Shiva: „Als Bechtel den ersten Vertrag für den Wiederaufbau des Iraks erhielt, war dies ein offensichtliches Beispiel für die Intransparenz, die Geheimhaltung und Korruption mit der die Herrschaft der Konzerne etabliert wird. Ob es sich um die Wasserprivatisierungsverträge in Bolivien oder Indien handelt, jedes Mal kennzeichnen Geheimhaltung und mangelnde Demokratie die Methoden, mit denen man sich Märkte und Profite aneignet. Freier Handel ist in Wirklichkeit total unfrei. Er ist erzwungen, korrupt, betrügerisch und gewaltsam.“

Besonders im globalen Wassergeschäft scheint das Unternehmensprinzip zu lauten: Geschäfte hinter verschlossenen Türen, möglichst ohne das die kritische Bevölkerung etwas vom Ausverkauf Ihrer Lebensgrundlage mitbekommt. Dass das die Konzerne so haben wollen, ist aufgrund der so zu erzielenden hohen Profite verständlich und legitim. Aber warum machen so viele Volksvertreter dabei mit? Liegt es daran, dass Versicherungsvertreter Versicherungen verkaufen und Volksvertreter das Volk, wie es ein Kabarettist formulierte?

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