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Globalisierung schürt Gefahr invasiver Arten
Kategorie: HintergrundinfosAutor: Johannes Pernsteiner
Jährlich zehn Milliarden Euro Schaden für Gesundheit, Ökologie und Wirtschaft
„Online-Nachrichtendienst NeueNachricht“ (
www.ne-na.de)
Bern, pte - Europa erkennt die Zeichen der Zeit nicht, die die Bedrohung der Ökologie durch eindringende Tiere und Pflanzen darstellt. So lautet die Warnung des Ökologen Philip Hulme von der neuseeländischen
Lincoln University in einem Artikel des Fachmagazins Science. In Europa gebe es keine Regierungskultur oder institutionelle Koordination, die sich des Problems invasiver Arten annimmt. Hulme empfiehlt die Schaffung einer einzigen Institution zum Management invasiver Arten, in der Ressourcen und Aktivitäten zusammengeführt werden. Grundlage dieser Aussagen sind Forschungen des europäischen Forschungsnetzwerkes
DAISIE. Demnach sind derzeit 11.000 invasive Organismen in Europa verbreitet. „Jeweils knapp die Hälfte sind Pflanzen und wirbellose Tiere wie Insekten, etwa tausend sind Pilze, Mikroorganismen oder Bakterien. Auch Organismen im Süßwasser oder im Meer gehören dazu“, erklärt Wolfgang Nentwig, Ökologe der
Universität Bern, im pressetext-Interview.
Als "invasiv" werden Organismen bezeichnet, die im Jahr 1500 noch nicht in Europa heimisch waren. „Die Entdeckung Amerikas nimmt man auch als Ausgangspunkt dafür, dass Europa seine Arten im großen Stil nach außen transportierte. Dann kam es zu einem Bumerang-Effekt, und die Arten wurden eingeschleppt“, so Nentwig. Eindeutiger Hauptschuldiger sei der Mensch. „Teilweise geschieht die Verschleppung bewusst, wenn etwa Haustiere in den Urlaub mitgenommen werden. Damit transportiert man die heimischen Parasiten ins Ausland und importiert von dort neue.“ Das Mitbringen fremdländischer Pflanzen, die sich selbstständig weiter verbreiten, habe einen ähnlichen Effekt, ebenso das Entschwinden exotischer Haustiere. „Vielfach werden Arten jedoch unabsichtlich eingeschleppt, wenn etwa auf chinesischen Containern mit Elektronikprodukten Pflanzensamen, Tiereier oder Kokons mitgebracht werden“, so der Berner Ökologe. Auch der Bau von Wasserkanälen wie der Rhein-Main-Donaukanal begünstige eine Verbreitung von Organismen, die etwa auf der Schiffsunterseite als blinde Passagiere mitreisen. Dieser Prozess sei in seiner Gesamtheit irreversibel und nehme jedes Jahr nach exponentiellem Schema zu.
„Invasive Arten sind keine Bereicherung für die Artenvielfalt, sondern eine Bedrohung“, so Nentwig. Für den Menschen bringe die Einschleppung neue stechende, giftige oder Allergie auslösende Organismen, darüber hinaus seien Schäden ein beachtliches ökonomisches Problem. „Dämme und Deiche werden plötzlich durch neue Wühltiere bedroht, das Getreide von neuen Schädlingen.“ Hochrechnungen gehen davon aus, dass sich der ökonomische Aufwand für Reparaturmaßnahmen europaweit auf mindestens zehn Mrd. Euro pro Jahr beläuft. „Dabei handelt es sich nicht um eine Phantasiezahl, sondern um die unterstmögliche Grenze, denn bei 90 Prozent aller invasiven Arten sind die Folgeschäden noch nicht erforscht“, so Nentwig.
