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Globalisierung schürt Gefahr invasiver Arten
Kategorie: HintergrundinfosAutor: Johannes Pernsteiner
Zudem seien die ökonomischen Schäden meist auch ökologische, betont Nentwig. Unter den 100 Arten, die das DAISIE-Projekt als die schlimmsten bezeichnet, befindet sich die aus Osteuropa stammende Zebramuschel. „Sie verstopft Wasserrohre, Schiffswege wie auch Kühlsysteme von Atomkraftwerken und sorgt dafür, dass einheimische Arten verschwinden.“ Weitere Beispiele sind die giftige Killeralge Caulerpa, die in Filzteppichen die Mittelmeer-Seegraswiesen überwuchert und dabei die Lebensgrundlage vieler Fische zerstört, sowie der Ulmenpilz, der zum Absterben von bereits 90 Prozent aller heimischen Ulmen geführt hat. Die bekannteste Plage ist wahrscheinlich die spanische Wegschnecke, die seit den 70er Jahren über Gemüseimporte aus Spanien den Weg nach Mitteleuropa gefunden hat. „Raps, Getreide und Mais müssen seither mit Molluskiziden behandelt werden, die auch einheimische Schnecken töten.“
Um dieser Entwicklung gegenzusteuern, hält Nentwig die Umsetzung bereits bestehender Regelungen für dringend. „Es gibt etwa eine Verordnung über die Reinheit von Saatgut, die nicht umgesetzt wird, obwohl sie bestimmte Probleme lösen könnte. Beispielsweise enthalten Sonnenblumenkerne, die als Vogelfutter vertrieben werden, über ein Prozent Ambrosia-Samen, die bei der Fütterung zu Boden fallen und sofort keimen. Dieses Unkraut hat jedoch hohes allergenes Potenzial und verursacht jährlich horrende Gesundheitskosten.“ Eine Einhaltung der Reinheitsbestimmungen könne dies verhindern, jedoch wolle die Politik die Saatgutverteiler nicht brüskieren und die Preise in die Höhe treiben.
Der Trend zu immer mehr freiem Waren- und Personenverkehr beschleunigt die Invasion. „Mit dem Wegfall der Grenzkontrollen entfallen auch alle hygienischen Sicherheiten“, so Nentwig. Australien, Neuseeland und die USA kontrollieren weitaus gezielter Reisegepäck oder Transportgüter, da das Problem invasiver Arten in diesen Ländern bereits noch größere Dimensionen angenommen habe. Als Schwierigkeit in Europa sieht Nentwig das fehlende Bewusstsein seitens der Bevölkerung. „Würde die Gefahr bestehen, dass Malaria oder Gelbfieber importiert wird, wäre das öffentliche Interesse sowie die Bereitschaft zu Maßnahmen sofort vorhanden. Bei den invasiven Arten ist die Toleranzschwelle jedoch noch sehr hoch.“ Als denkbare Maßnahme sieht Nentwig das Einfordern stärkerer Verantwortung und Haftung von Lieferanten aus Übersee dafür, dass mit gelieferten Waren keine nicht-heimischen Arten eingeschleppt werden.
International wurden bereits Regelwerke zur Eindämmung der Problematik geschaffen, etwa durch die
Biodiversitätskonvention von Rio. Doch auch deren Umsetzung steckt noch in Kinderschuhen. „In den einzelnen Ländern gibt es sehr unterschiedliche Vorschriften, doch zwischen den Behörden gibt es keinen Austausch oder Kooperation. Eine europäisches Koordination des Managements invasiver Arten könnte hier ein richtiger erster Schritt sein“, so der Berner Ökologe abschließend zu pressetext.
