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KKR und der Milliarden-Poker mit Grüne Punkt-Gebühren
Kategorie: HintergrundinfosAutor: Matthias Schmitz
Zwei Jahre nach der Heuschrecken-Rede des SPD-Politikers Franz Müntefering haben die Gewerkschaften härtere Gesetze gegen Finanzinvestoren gefordert. Nötig seien eine Besteuerung von Veräußerungsgewinnen, eine Börsenumsatzsteuer, eine Zinsbesteuerung und eine Mindesteigenkapitalquote bei kreditfinanzierten Unternehmensübernahmen. „All dies kann auch national umgesetzt werden. Jetzt ist die Politik am Zug", forderte DGB-Vorstand Claus Matecki gegenüber dem Tagesspiegel.
Bonn/Köln, www.ne-na.de
Es sei zwar eine wichtige „gesellschaftspolitische Diskussion", die der heutige Vizekanzler angestoßen habe. Doch der Lackmustest für die Ernsthaftigkeit des Vorstoßes stehe noch aus. „Der weiße Fleck der Debatte liegt in der politischen Verantwortlichkeit. Die Heuschrecken halten sich an die Gesetze. Sie nutzen Spielräume, die durch die schwarz-gelbe und rot-grüne Finanzmarktpflege erst entstanden sind", sagte Matecki.
Am Beispiel des Grüne Punkt-Müllsystems DSD hat sich der ARD-Fernsehbeitrag „Müll-Geschäfte - Der Milliarden-Poker mit Grünem Punkt und Gelbem Sack mit den Praktiken des amerikanischen Finanzinvestors KKR beschäftigt. „Der Verkauf wird von Erich Greipl eingefädelt. Er ist der Aufsichtratschef des Dualen Systems und damit der mächtige Mann im Hintergrund. Gleichzeitig ist er Geschäftsführer der Metro Vermögensverwaltung. Greipl weiß, dass die Kassen des Dualen Systems gefüllt sind. Gemeinsam mit dem Ex-Tengelmann-Manager Peter Zühlsdorff, der kurze Zeit später selbst DSD-Chef wird, präsentiert er einen Käufer. Es ist der Private–Equity-Fonds KKR. Eine der Firmen, die Franz Müntefering ‚Heuschrecken’ genannt hat, und die darin geübt ist, Unternehmen auszuplündern“, berichtet die ARD-Reportage.
KKR übernehme das vor allem vom Verbraucher finanzierte „System der gelben Säcke“, mit einem bei solchen Unternehmen bekannten profitablen Stufenplan: „Die erste Stufe: Der Kaufpreis des DSD beträgt 260 Millionen Euro. Der wird weitgehend über Fremdkapital finanziert. Dazu gründen die Käufer eine neue Gesellschaft, in diesem Fall die Deutsche Umwelt Investment. Sie kauft das DSD und nimmt dazu 160 Millionen Euro auf. Dann werden beide Gesellschaften miteinander verschmolzen. Die Darlehensschulden liegen jetzt beim DSD. KKR zahlt also in Wirklichkeit nur 100 Millionen. In einer zweiten Stufe wird das freie Vermögen, z.B. die liquiden Mittel, bis zur Grenze des rechtlich Zulässigen, an die neuen Gesellschafter ausgezahlt. Beteiligt werden an solchen Gewinnen in der Regel auch die, die das Geschäft eingefädelt haben. Dazu würde auch der DSD-Aufsichtsrats-Chef Erich Greipl zählen. In einer dritten Stufe wird - in der Regel - das ausgeplünderte Unternehmen an die Börse gebracht oder profitabel weiterverkauft. Um Profit scheint es bei den Gelben Säcken und Tonnen überhaupt nur zu gehen“, so die ARD-Sendung.
Wer zählt zu den Profiteuren des KKR/DSD-Deals?
Wer zu den Profiteuren des DSD-Deals zählen könne, beleuchtet der Handelsblatt-Bericht unter dem Titel „Entsorgt und verramscht“. Den DSD-Aktionärsvertretern sei der Finanzinvestor KKR sehr überraschend in der Hauptverwaltung der Düsseldorfer Metro AG präsentiert worden: „Die Tür öffnet sich und herein treten: Johannes P. Huth und Reinhard Gorenflos, Fondsmanager der US-Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR). Was dann folgt, ist eine beispiellose Mischung aus Geschacher, Vernebelung und womöglich gar eine Art Insiderhandel. Denn am Ende wird das DSD in Windeseile geradezu verramscht - auf Kosten der ahnungslosen Gesellschafter aus dem deutschen Einzelhandel und ihrer Kunden, der deutschen Verbraucher. Die zahlten jahrelang an deutschen Supermarkttheken nahezu unbemerkt Preisaufschläge für den Grünen Punkt - Geld, das über Umwege in die Kasse des DSD floss“, so das Handelsblatt. Schon nach 53 Minuten sei man sich am 28. Oktober 2004 mit dem DSD-Aufsichtsrat handelseinig gewesen. „Die von KKR gebotene Kaufsumme deckt sich mit einem 108 Seiten umfassenden Wertgutachten des DSD-Wirtschaftsprüfers Pricewaterhouse-Coopers (PwC). Das haben Finanzchef Buchmann und Aufsichtsratschef Greipl wenige Wochen zuvor bestellt und dem Kontrollgremium soeben vorgelegt. Obwohl die Beteiligungsfirma Englefield Capital für den 13. Dezember schriftlich ein Gegenangebot angekündigt hat, drängen Greipl und Plus-Chef Hürter den DSD-Vorstand zu exklusiven Verhandlungen - mit KKR. Einen guten Monat später, am 30. November, ist der Verkauf bereits perfekt. Greipl & Co. überlassen den Amerikanern für 260 Millionen Euro Deutschlands ehemaligen Verpackungsmüll-Monopolisten. Bei den meisten der 600 Altaktionäre - zumeist Betriebe des Handels und der Konsumgüterindustrie - knallen die Sektkorken. Schließlich erzielen sie durch den Verkauf ihrer Aktien den 180fachen Einzahlungswert“, schreibt das Handelsblatt.
