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KKR und der Milliarden-Poker mit Grüne Punkt-Gebühren
Kategorie: HintergrundinfosAutor: Matthias Schmitz
DSD-Management am Deal beteiligt
„Die Frage, ob außer Buchmann noch andere DSD-Insider zu den Erwerbern zählten, ist bis heute ungeklärt. Das gilt auch für die Rolle Greipls, der als Mentor Buchmanns gilt und ihn schon aus gemeinsamen Zeiten bei der Metro kennt. Eigentümer des DSD-Hauptgesellschafters Blacksmith Holding sind im Wesentlichen mehrere KKR-Fonds, die ihren Firmensitz im kanadischen Bundesstaat Alberta ausweisen“, so das Handelsblatt. Interessant war in diesem Zusammenhang auch die Zusammensetzung des Aufsichtsrates der Deutschen Umwelt Investment AG, die den Kauf des DSD vornahm. Im Handelsregister wurde unter anderem Philipp Freise genannt. Neben dieser Funktion saß Freise zudem direkt im Aufsichtsrat der DSD AG. Auf der Internetseite des Grünen Punktes wurde er als KKR-Fondsmanager aufgeführt. Nur was hat der Fondsmanager vorher gemacht? Freise studierte an der elitären wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Koblenz. Vorsitzender des Vorstands der Stiftung der WHU ist ein alter Bekannter: Prof. Dr. Dr. h.c. Erich Greipl. Stifter und Namensgeber der WHU – Otto Beisheim-Hochschule – ist Professor Dr. h. c. Otto Beisheim, der Metro-Gründer und Gesellschafter der Metro AG. Für Philipp Freise war die Privatuni immer schon Pionier in der Ausbildung von Unternehmern: „Ein bestimmter Kreis von Studenten und Professoren plante den Lehrstuhl schon 1996 in einer Vorlesung und bildete über die Jahre eine enge Community...“, berichtet die Financial Times Deutschland. In einem Jahresbericht der WHU wird eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „Herausforderungen des Unternehmertums" mit interessanten Podiumsteilnehmern aufgeführt. Zu den Diskutanten zählten der damalige Metro-Manager Hans Dieter Cleven und Philipp Freise, der zu dieser Zeit Vorstandschef der New Econony-Firma Venturepark Incubator AG war. Zu den erfolgreichen Investitionen von Venturepark rechnete Freise das Geschenkeportal Geschenk24, das mit einer Metro-Tochter zu PrimusGeschenk24 fusionierte. Gesellschafter des DSD ist mittlerweile mit 96 Prozent die Blacksmith Holding s.á.r.l. mit Sitz in Luxemburg, ein Unternehmen der KKR-Gruppe, sowie mit 4 Prozent das Management des DSD. Soviel verrät der Kölner Müllkonzern zumindest auf seiner Website. Finanzexperten gehen diese Veröffentlichungen nicht weit genug. So plädiert der ehemalige Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert für härtere gesetzliche Regeln: Der Markt nähre schwarze Schafe, die gerne von Steuerparadiesen in der Karibik aus operieren. Finanzinvestoren müssten beispielsweise auf den Cayman Islands für eine Registrierung weniger Formulare ausfüllen als bei der Führerscheinprüfung in Deutschland. Selbst in Amerika geht man mittlerweile kritischer mit den Finanzinvestoren um: Vier Fünftel aller US-Bundesstaaten haben gesetzliche Hebel oder sogenannte „Gift-Pillen“ installiert, um die Aktionen der Firmenjäger zu begrenzen. „Die Manager dort müssen also nicht mehr bei jedem Klopfen an der Tür zusammenzucken und befürchten, dass KKR davor steht“, so Seifert. Institutionelle Investoren und Hedge Fonds schlüpften in Deutschland in die Rolle, die ehedem den Großaktionären vorbehalten war. „Sie tun so, als wären sie langfristig denkende Mehrheitseigentümer, aber in den meisten Fällen verschwinden sie genauso schnell wieder, wie sie gekommen sind – allerdings erst, nachdem sie das Management ausgetauscht und umfangreiche Ausschüttungen an die Aktionäre, also sich selbst, durchgesetzt haben“, so Seifert. Für alle Akteure auf den Kapitalmärkten der OECD sollten Offenlegungspflichten gelten. „Es darf nicht sein, dass Fonds, die auf den Cayman-Inseln registriert sind und so gut wie keine Informationen über ihre Eigentümer oder ihre Geschäftspraktiken herausrücken, zentralen Einfluss darauf nehmen können, wie große und größte Unternehmungen in Deutschland und in anderen Industriestaaten geführt werden", kritisiert Seifert. Das Mindeste, was man von diesen Anteileignern verlangen müsse, sei die Offenlegung ihrer Beteiligungen. Siehe zu diesem Thema auch den Bericht: Branchengerüchte: Zweitgrößter europäischer Entsorgungskonzern kauft angeblich den Grünen Punkt - DSD-Führung kann mit fürstlicher Entlohnung rechnen.
