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29.02.2016 07:14 Alter: 209 days

Klimagipfel sorgt für neue Dynamik beim Kapitalabzug aus fossiler Energie

Kategorie: Klimaschutz
Autor: Rat für Nachhaltige Entwicklung

Die erfolgreiche Klimakonferenz von Paris verstärke die Tendenz zum Divestment, sagt Bundesumweltministerin Hendricks. Dass der Abzug von Kapital aus den fossilen Energien sich nun beschleunigt, erwarten auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Claudia Kemfert und Hans-Joachim Schellnhuber. Die Bank of England empfiehlt mittlerweile sogar eine solche Strategie.

Das Klimaabkommen von Paris werde eine „weltweite Dynamik auch für Investoren auslösen“. Damit rechnet Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Vermutlich komme es „rascher, als wir uns das vorstellen können“ zu einem weiteren Kapitalabzug aus Unternehmen der fossilen Energien, sagte die Ministerin in Berlin, nachdem sie aus Paris zurückgekehrt war. Dabei gehe es nicht nur um den Abzug von Investitionen, sondern um die Verlagerung von Kapital beispielsweise in die Branchen der erneuerbaren Energien.

 

Als Divestment wird der Verkauf von Aktien und Wertpapieren derjenigen Unternehmen bezeichnet, die klimabedingten Finanzrisiken ausgesetzt sein könnten. Den Hintergrund Opens external link in new windowbeschreibt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) so: „Wenn der Anstieg der globalen Oberflächentemperatur auf zwei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts begrenzt werden soll, dürften zwei Drittel der fossilen Ressourcen nicht verbrannt werden und müssten im Boden verbleiben.“

 

Geschäftsmodelle sind bedroht

Für Firmen, die Kohle, Erdgas und Erdöl fördern, ist durch die weltweiten Anstrengungen für Klimaschutz das Geschäftsmodell bedroht. Denn Regierungen könnten durch Steuern, Abgaben und andere Arten der Regulierung darauf hinwirken, dass die fossilen Bodenschätze nicht mehr gehoben und verkauft werden. Auch für Unternehmen, die aus Kohle, Gas und Öl Energie erzeugen, ändern sich die Rahmenbedingungen.

 

Ähnliches gilt für erdölbasierte Branchen wie die Chemieindustrie, die fossile Ressourcen beispielsweise zu Kunststoffen verarbeitet. Weil sich deren Gewinnaussichten eintrüben, überlegen in der Folge Kapitalinvestoren wie Pensionsfonds und Stiftungen, ob sie dort noch investieren. Dies könnte die Geschäftstätigkeit der fossilen Industrien zusätzlich erschweren.

 

Zahlreiche Experten vermuten, dass der Erfolg der Klimakonferenz den Prozess des Divestment nun beschleunigt. So sagte DIW-Forscherin Claudia Kemfert: „Nach Paris wird sich nun die Tendenz massiv verstärken, dass Investoren Kapitalanlagen in Unternehmen der fossilen Energien als langfristig nicht gewinnträchtig betrachten. Ich rechne mit einer zunehmenden Verschiebung von fossilen zu erneuerbaren Energien. Die kürzliche Ankündigung der Allianz, Anlagen im Wert von vier Milliarden Euro umzuschichten, ist ein Signal in diese Richtung.“

 

Hans-Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), argumentiert ähnlich: „Im Moment kippt das System. Die Investitionen werden aus den fossilen Geschäften wie der Kohle abgezogen und in erneuerbare Energien gesteckt. Wenn ein Investor die Wahl hat, in ein neues Kohlekraftwerk zu investieren, oder in ein großes Solarkraftwerk, dann ist völlig klar, was der Investor tun wird.“

 

Bank of England für allmähliches Divestment

 

Als Aufsichtsbehörde des britischen Versicherungswesens hat die Bank of England im September 2015 Opens external link in new windoweine vielbeachtete Studie vorgelegt. Sie gibt darin Hinweise für die Geschäftstätigkeit der Versicherungen vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Klimapolitik. Beides müssten die Finanzkonzerne einkalkulieren, damit sie ihre Vermögen richtig investieren und die Leistungen zugunsten ihrer Kunden auch in einigen Jahrzehnten noch erbringen könnten. Etwa 30 Prozent des global investierten Aktien- und Wertpapierkapitals stecke heute in Unternehmen, die ihre Gewinne mit der Ausbeutung fossiler Ressourcen erwirtschaften (u.a. Bergbau, Energieerzeugung, Chemie).

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