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21.11.2008 07:09 Alter: 4 yrs

Kritik an PVC-Recyclingzahlen: Verbrennung ist keine Verwertung

Kategorie: Hintergrundinfos
Autor: Gunnar Sohn

Branche weist Vorwürfe zurück - Bonner Tagung behandelt das Thema „PVC – Rohstoff und Sorgenkind der Entsorger?“

„Online-Nachrichtendienst NeueNachricht“ (www.ne-na.de)

Bonn – Der Europäische Verein für PVC-Recycling (EUPV) in Bonn fährt schwere Geschütze gegen die PVC-Industrie auf: So rechne angeblich die Branche ihre Recyclingmengen schön und führe Politiker, Umweltverbände und die Recyclingwirtschaft hinters Licht. Auslöser der Kritik ist ein Schreiben Arbeitsgemeinschaft PVC und Recycling (AGPU). Dort werde verkündet, dass bundesweit 70 Unternehmen im vergangenen Jahr mehr als 200.000 Tonnen PVC werkstofflich recycelt haben. „Diese Verwertungszahlen sind eine Frechheit. Im Fortschrittsbericht von vinyl 2010 stehen für Deutschland im Jahr 2007 nur 35.000 Tonnen als werkstofflich verwertete PVC-Mengen“, empört sich Rechtsanwalt Sebastian Frings-Neß, Vorsitzender des EUPV. Die auf der AGPU-Homepage veröffentlichten Verwertungszahlen würden einen an das Ausschlussprinzip wie bei Günther Jauchs „Wer wird Millionär“ erinnern. „Zu Beginn wird eine Studie erstellt, die die jährliche PVC-Abfallmenge errechnet. Im Rahmen einer retrograden iterativen Annäherung werden dann die tatsächlich nachgewiesenen Verwertungsmengen abgezogen. Weil kein PVC mehr auf der Strasse liegt, es auf Deponien nicht mehr abgelagert werden kann, muss es logischerweise in Müllverbrennungsanlagen rohstofflich verwertet worden sein“, vermutet Frings-Neß.

Das sei nicht nur Schönfärberei, sondern ökologisch höchst fragwürdig. „PVC setzt bei der Verbrennung Chlor frei und greift die Öfen der Müllverbrennungsanlage an. Bei den normalen Verbrennungstemperaturen bildet sich Dioxin, das durch die Umweltskandale in Seveso und Bhopal noch in furchtbarer Erinnerung ist. So überrascht es nicht, wenn MVA-Betreiber PVC-Abfälle strikt ablehnen“, sagt Frings-Neß.

AGPU und Vinyl 2010 weisen entschieden die Vorwürfe des Bonner Vereins zurück, dass Statistiken zu PVC-Recyclingzahlen in Deutschland durch die Industrie in gewisser Weise irreführend manipuliert worden seien. Auf der Grundlage der von der Marktforschungsgesellschaft Consultic durchgeführten Erhebung war es eine Gesamtmenge von 221.000 Tonnen PVC, die in Deutschland im Jahr 2007 werkstofflich recycelt wurde, teilen die beiden Organisationen mit und erklären weiter: „Aufgrund des langen Lebenszyklus vieler PVC-Anwendungen wie zum Beispiel von Rohren und Fensterrahmen ist der Anteil von PVC, der in den allgemeinen Abfall gelangen kann, zur Zeit immer noch äußerst gering. Kommunale Müllverbrennungsanlagen werden strengstens kontrolliert und reguliert. PVC ist nur einer von verschiedenen Einträgen zu dem Chloranteil von städtischem Abfall und daher werden Müllverbrennungsanlagen so konzipiert, dass sie sauren Rauchgasen standhalten“.

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