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„Mobilfunk - Gefahr für Kinder und Jugendliche?“
Zum Auftakt einer Projektwoche an der Hauptschule Peiting hielt Hans Schütz am 28. November im Pfarrsaal einen Vortrag über „Mobilfunk - Gefahr für Kinder und Jugendliche?“
Dass er sechzig Minuten lang ohne Mikrofon gut zu verstehen war, zeigt das große Interesse der 9. Klassen an dem Thema. Nicht alle haben immer zugehört, auch die anwesenden HauptschullehrerInnen und Eltern nicht, aber die SchülerInnen machten sich eifrig Notizen oder beantworteten einen Fragebogen zu dem Vortrag - da war wenig Zeit zum Schwätzen. Dabei stellte Hans Schütz hohe Anforderungen an die Aufmerksamkeit: Viele Fremdwörter waren auf den Begleitfolien zu lesen („athermische Effekte“, „Nanowatt“) und manch lieb gewonnene Meinung wurde widerlegt, zum Beispiel, dass die Einhaltung von Grenzwerten die Gesundheit schützt.
Die Quintessenz des Vortrags war klar und wird inzwischen kaum mehr bestritten: Die heutige Mobilfunktechnik gefährdet unsere Gesundheit und ihr Einfluss auf unser Leben wird zunehmen, wenn wir uns nicht dagegen wehren.
Warum soll Mobilfunk überhaupt im Unterricht behandelt werden? Hans Schütz führte drei Gründe an:
- Art. 131 der Bayerischen Verfassung schreibt als ein Bildungsziel „Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt“ vor und in Art. 141 ist der Naturschutz verankert.
- Die „Richtlinien für die Umwelterziehung“ gelten für alle bayerischen Schulen und werden als fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip verwirklicht.
- Der Lehrplan der Hauptschule sieht unter anderem vor, dass ein verantwortungsbewusster Umgang mit Technik vermittelt wird.
Überraschend wohl auch für die meisten anwesenden Erwachsenen war, wie die Grenzwerte für Mobilfunkstrahlung zustande kommen, die uns angeblich vor Gesundheitsschäden bewahren sollen: Sie werden festgelegt von der „Internationalen Strahlenschutzkommission für nichtionisierende Strahlung“ (ICNIRP). Hinter diesem klangvollen Namen verbirgt sich ein Münchner Verein, der aus 16 industriefreundlichen Fachleuten besteht. Diese Grenzwerte, die auch in die 26. Bundesimmissionsschutz-Verordnung eingingen, schützen uns jedoch nur vor thermischen Effekten, also Hitzestress. Die nicht durch Wärme verursachten („athermischen“) Effekte auf den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Sinneszellen, das Nervensystem, die Gehirnaktivität und die Zellkommunikation wurden jedoch schon bei weniger als einem Nanowatt pro Quadratzentimeter (nW/cm2) nachgewiesen. Der Grenzwert für das D-Netz beispielsweise liegt bei 470 000 nW/cm2 (siehe auch Artikel auf Seite sieben).
Für Kinder und Jugendliche ist Mobilfunk besonders gefährlich, weil ihr Nervensystem noch nicht voll entwickelt ist und weil sie kleinere Köpfe, weniger dicke und dichte Knochen und leitfähigeres Gewebe haben, sodass die Strahlung schneller an ihr Gehirn gelangt. In Großbritannien darf deshalb der Hauptstrahl eines Mobilfunksenders nicht auf Schulen und Kindergärten gerichtet sein. Auch in Deutschland warnen seit 2001 Kinderärzte vor Mobilfunkstationen in der Nähe von Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern. Aber reicht das? Denn die Kinder halten sich doch die meiste Zeit zu Hause auf, wo ihr Schlaf vor schädigenden Einflüssen geschützt sein sollte.
Würden die überregionalen Zeitungen mehr über das Thema Mobilfunk berichten, wäre bekannt, dass in Spanien mehrere tausend Mobilfunksendestationen wieder abgebaut werden mussten, weil sie zu nachgewiesenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen geführt haben. Nicht nur jugendlichen Handy-Nutzern wird unter anderem empfohlen
Guten Tag,
die obige Darstellung halte ich für ausgesprochen einseitig. Als Kinderärztliche Umweltberatungsstelle haben wir zu dem Thema "Mobilfunk und Gesundheit" eine fachliche Stellungnahme abgegeben und Informationsbroschüren für Eltern und Ärzte veröffentlicht. Hier ein Auszug (Volltext und Broschürendownload unter www.allum.de => Mobilfunk).
Was sind athermische Effekte und welche Bedeutung haben sie?
Die im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehenden und in Teilen der Fachwelt diskutierten athermischen Effekte betreffen vorwiegend das zentrale Nervensystem. Dies ist angesichts der Handynutzung im Kopfbereich auch verständlich.
Die Untersuchungen beziehen sich unter anderem auf:
Veränderungen von Hirnströmen (EEG)
Veränderungen geistiger Leistungen
Veränderungen des Schlafs
das Auftreten von Befindlichkeitsstörungen
(Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen, Tinnitus)
Veränderungen der Hormonausschüttung (insbesondere von Melatonin)
Öffnung der Blut-Hirn-Schranke
veränderter Ionentransport durch Membranen (z. B. Kalzium)
Weitere Berichte betreffen das Blutbild und das Krebsgeschehen.
Was ist von diesen Berichten zu halten?
Viele der oben genannten Untersuchungsergebnisse konnten von unabhängigen Forschergruppen nicht reproduziert werden. Wenn ein Untersuchungsergebnis mehrfach reprodziert werden kann, muß sichergestellt werden, dass es tatsächlich auf den Mobilfunk als Ursache zurückgeführt und andere Ursachen ausgeschlossen werden können. Schließlich muss geprüft werden, ob es erkennbare Auswirkungen auf die Gesundheit gibt.
Im Fall der genannten athermischen Wirkungen haben Fachleute auf der ganzen Welt, Vertreter namhafter Gremien und Institutionen (ICNIRP, Weltgesundheitsorganisation, die deutsche Strahlenschutzkommission) diese Beobachtungen und Berichte einer solchen kritischen Prüfung unterzogen.
Die allermeisten Wissenschaftler sind heute der Ansicht, dass unterhalb der gegenwärtig geltenden Grenzwerte keine athermischen Effekte von gesundheitlicher Bedeutung auftreten.
Eine kleine Zahl von Wissenschaftlern vertritt eine gegenläufige Meinung und fordert eine Absenkung der Grenzwerte. Das von diesen Wissenschaftlern angemahnte vorsorgliche Handeln ist verständlich, jedoch sollten Vorsorgeempfehlungen auf der Grundlage von Studien ausgesprochen werden, die anerkannten Regeln der wissenschaftlichen Forschung genügen. Die oben angeführten Beobachtungen zu athermischen Effekten sind in der übergroßen Mehrzahl unter Bedingungen gemacht worden, wie sie während eines Handytelefonats vorherrschen. Sie sind also nicht auf die typischerweise 100 - 10.000fach kleineren Felder im Umfeld von Basisstationen übertragbar. Dies wird in der öffentlichen Diskussion oftmals übersehen. Es ist daher äußerst unwahrscheinlich, dass Felder von Basisstationen Einfluss auf Hirnströme, auf das Wohlbefinden und den Schlaf, auf die Hormonausschüttung oder gar die Blut-Hirn-Schranke haben.
Im so genannten "Freiburger Appell" wird von einem "dramatischen Anstieg" u.a. von Konzentrations- und Verhaltensstörungen, Blutdruckentgleisungen, Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerz, Erschöpfung und Krebserkrankungen gesprochen. Das beschriebene Krankheitsspektrum umfasst beinahe alles, woran man erkranken kann. Für viele der genannten Störungen aber ist die Aussage, dass die Anzahl der Erkrankungen zugenommen habe, gar nicht belegt. Vielmehr gilt für alle aufgeführten Krankheitsbilder, dass für ihre Entstehung sehr vielfältige Ursachen von Bedeutung sind. Und bei allen fehlt jegliche Erklärung darüber, wie denn elektromagnetische Felder diese Krankheiten hervorrufen sollten; ein solcher Zusammenhang ist nicht plausibel.
Anders sind die Wirkungen von Feldern zu beurteilen, denen das Gehirn während eines längeren Handy-Telefonats ausgesetzt ist. Diese sind um ein Vielfaches höher als die Felder, die von Mobilfunkantennen ausgehen. So haben beispielsweise einige Forscher Änderungen von Hirnstromaktivitäten und von messbaren, Konzentration erfordernden geistigen Tätigkeiten gefunden. Dazu gibt es sehr widersprüchliche Befunde, und die Veränderungen bewegen sich vielfach im Bereich normaler biologischer Schwankungen. Zu bedenken ist auch, dass keineswegs alle beobachteten biologischen Effekte sogleich zeigen, dass damit die Entstehung von Krankheiten verbunden ist.
Eine gesundheitliche Gefährdung ist derzeit nicht erkennbar, zumal die Befunde in sich widersprüchlich sind und sich viele Effekte im Bereich normaler biologischer Schwankungen bewegen. Ob eine Handynutzung mit einem erhöhten Risiko, an einem Gehirntumor zu erkranken, einhergeht, wird ebenfalls weiter untersucht. Die bisher vorliegenden Ergebnisse sprechen gegen diese Annahme. Im Rahmen ihrer "Interphone"-Studie will die Weltgesundheitsorganisation dieser Frage im Detail nachgehen. Ergebnisse werden für 2006 erwartet.
