Sie befinden sich hier:
Startseite->Artikel->Nährstoff-Ampel für Lebensmittel in der Diskussion
17.10.2007 20:33 Alter: 9 yrs

Nährstoff-Ampel für Lebensmittel in der Diskussion

Kategorie: Gesundheit und Ernährung
Autor: Nicolaus Gläsner

Was sind gute und was sind schlechte Lebensmittel? Diese Frage beschäftigt zurzeit die Bundesregierung und die EU. Mit einer so genannten „Nährstoff-Ampel“ sollen „gute“ und „schlechte“ Lebensmittel zukünftig in jedem Supermarkt ausgewiesen werden.

Bonn/Köln –  Der Hintergrund: 75 Prozent der Männer und jede zweite Frau in Deutschland sind zu dick. „Die International Association of Obesity hat die Deutschen im Frühjahr zu den fettesten Europäern erklärt, was sich nicht nur schlecht im Straßenbild macht, sondern der Studie zufolge auch das Gesundheitssystem mit fast 20 Milliarden Euro pro Jahr belastet“, schreibt Philip Jürgens im Handelsblatt.
 
Mit dem nationalen Aktionsplan „Gesunde Ernährung und Bewegung“ sollen Jürgens zufolge Ernährung und Bewegungsverhalten der Deutschen bis zum Jahr 2020 verbessert werden. Vor allem bei Kindern soll der Trend zum Übergewicht gestoppt werden. „Unser Unternehmen unterstützt unter dem Motto ‚Wellfood statt Fastfood’ den Aktionsplan ‚Fit statt fett’ der Bundesregierung. Es ist völlig richtig, wenn die zuständigen Minister Ursula Schmidt und Horst Seehofer staatliche und nichtstaatliche Projekte stärker fördern und miteinander vernetzen wollen“, sagt Ulrich Overdiek, Inhaber des Kölner Unternehmens Vivamangiare Wellfood, der sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Thema gesunde Ernährung auseinandergesetzt hat. „Ich kann nicht verstehen, wenn sich Teile der Industrie nun gegen eine für den Verbraucher nachvollziehbare Deklarierung gesunder und ungesunder Lebensmittel sperren. Wer ein gutes Gewissen hat, muss auch nichts verbergen.“
 
Auch die EU habe mit ihrer Europäischen Charta zur Bekämpfung von Fettleibigkeit deutlich gemacht, wie wichtig die Kennzeichnung von Lebensmitteln sei. Insbesondere der Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz soll durch ein vereinfachtes Zeichen ausgewiesen werden, so die Forderung der Verbraucherzentralen. Im Speiseplan seines Vivamangiare-Restaurants in Köln sei dies eine Selbstverständlichkeit, so Overdiek: „Wir ersetzen so weit wie möglich weißen Zucker durch Frucht- oder Rohrohrzucker, außerdem verzichten wir auf Mayonnaise und Konservierung. Wir verwenden statt dessen Vollkornprodukte, Salat, Obst und Gemüse, Milchprodukte, Fisch, Fleisch und Geflügel.“
 
Gegenüber dem Handelsblatt empörte sich jedoch Jürgen Abraham, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), über die Pläne von Regierung und EU: „Die Industrie ist doch nicht Schuld daran, wenn jemand zu viel isst. Wer viel isst und sich wenig bewegt, wird auf Dauer Probleme mit seinem Gewicht bekommen“. Abraham setzt voll auf die Eigenverantwortung der Verbraucher, so der Handelsblatt-Redakteur. Etwas anders als Abraham sieht dies Overdiek: „Selbstverständlich kann man die Lebensmittelindustrie nicht für das Fehlverhalten ihrer Konsumenten verantwortlich machen. Aber ich denke schon, dass wir alle eine gesellschaftliche Verantwortung haben, damit unsere Kinder nicht krank werden und Fettleibigkeit nicht mehr die zentrale Rolle spielt. Ich halte es nicht für einen Ehrentitel, wenn wir Deutschen die dicksten Europäer sind. Die Trophäe können wir ruhig weiterreichen.“