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Neue Bio-Regeln braucht das Land
Kategorie: Gesundheit und ErnährungAutor: Norbert Suchanek
Gen-Orangen vom Bio-Produzenten?
Die Bio-Fachpresse frohlockt. Immer mehr Öko-Nahrungsmittel kämen auf den Markt, und bereits 28.672 Produkte trügen das deutsche Bio-Siegel. Zweifellos boomt der Bio-Handel in Deutschland. Im vergangenen Jahr zeigte er ein Umsatzwachstum von satten 13 Prozent, während andere Branchen vor sich hin dümpeln. Doch erkauft wird dieses Wachstum zum einen mit extrem weit gereisten und damit kaum ökologisch akzeptablen Bio-Produkten wie Äpfeln, Birnen, Kartoffeln oder Zwiebeln von Großproduzenten aus fernen Kontinenten, die in heimisches Bio-Obst und Gemüse vom Markt drängen. Zum anderen durch aufgeweichte Anbauregeln, die es auch milliardenschweren Konzernen leicht machen, an der hochpreisigen Bio-Branche mitzuverdienen, ohne selbst auch nur ein bisschen hinter dem ursprünglichen Öko-Gedanken zu stehen. So kommt es, dass das größte brasilianische Industriekonglomerat namens Votorantim, das mit seinem Agro-Unternehmen Citrovita jährlich rund 8.000 Tonnen konventionelles Orangensaftkonzentrat auf den Weltmarkt wirft und an gentechnisch veränderten Orangenbäumen forscht, gleichzeitig auch Bio-Orangensaft für deutsche Supermärkte produziert.
Seit 2002 steckt die Votorantim-Gruppe jährlich rund zehn Millionen Dollar in die Gentechnikforschung seiner Alellyx-Labors. Freilich greifen Votorantims Gentechniker nicht nur ins Erbgut von Orangen ein. Sie experimentieren ebenso an den Genen von Eukalyptusbäumen und Zuckerrohr. Wer Citrovitas Bio-Orangensaft kauft, finanziert also indirekt die Gentechnik, obwohl die gesamte Bio-Branche in Europa eigentlich ein erklärter Gentechnik-Gegner ist. Nicht nur das. Mit seinen Chemie- und Aluminiumfabriken, seinen 110.000 Hektar umweltschädlichen Eukalyptusplantagen oder seiner Beteiligung an dem aktuell heftig von Bürgerinitiativen und Naturschützern kritisierten Barra Grande-Staudamm in Südbrasilien steht der rund fünf Milliarden Dollar jährlich einnehmende Votorantim-Konzern nicht gerade für ökologische und soziale Glaubwürdigkeit.
Ginge es nach den Bio-Regeln der bekannten ökologischen Anbauverbände wie Bioland, Biokreis, Demeter oder Naturland könnte ein Konzern wie Votorantim allerdings nicht so nebenbei im Bio-Bereich mitmischen und die Sahnehäubchen abschöpfen. Denn sie verlangen, dass ein Betrieb zu 100 Prozent auf den ökologischen Anbau umstellen muss. Nicht so die nachlässigen EU-Ökoanbauregeln und das deutsche Bio-Label, die beide auch eine Teilumstellung zulassen. Das Nachsehen haben Bauern und Unternehmen, die konsequent biologisch arbeiten.
Ignoranz und Dummheit der politischen Kaste in Deutschland!
Aus einem Meeting der Bundesregierung zum Thema genmanipulierte Pflanzen.
Auf die Frage nach unbegrenzter Haftung der Mutterkonzerne welche GVO-Saatgut herstellen, Finanzierung der Analysen und Bereitstellung eines Rückholplans in Falle eines freien GVO-Anbaus gingen Herr Dr. Katzek und die übrigen Teilnehmer nicht ein.
Auch die Problematik um GVO in Bienenprodukten wurde nicht geklärt.
Herr Catenhusen, Staatssekretär im Ministerium für Bildung und Forschung: „Wenn der GVO-Pollen im Honig den Geschmack nicht beeinträchtigt sollten die Imker doch nichts dagegen haben“.
Der Honig wird von bewußten Verbrauchern nicht um des Geschmacks willen gekauft. Vielmehr geht es vielen Honigkonsumenten um die Gesundheits- und Heilwerte in einem naturbelassenen Honig. Und in diesen gehört nun einmal kein genmanipulierter Pollen. Allein schon weil nicht geklärt ist welche Gesundheitsgefahren genmanipulierter Pollen mit sich bringt.
Von Beeinträchtigung der Marktchancen hat er wohl vorher nie gehört. Von den evtl. Gesundheitsgefahren durch GVO hat der Herr Staatssekretär auch keine Ahnung.
Fridolin Brandt
www.imkereibrandt.de
