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Ökologisch vorteilhafte Getränkeverpackungen im freien Fall
Kategorie: HintergrundinfosAutor: Gunnar Sohn
Die verlorene Unschuld des Umweltministeriums: Dosenpfandgewinne der Discounter vernichten Mehrwegindustrie.
„Online-Nachrichtendienst NeueNachricht“ (
www.ne-na.de)
Berlin/Bonn – Seit der Einführung des Dosenpfandes mehren sich die Hiobsbotschaften für die Mehrwegbranche. Nach den aktuellen Zahlen der Gesellschaft für Konsumgüterforschung (GfK) wurden im ersten Halbjahr nur noch 27,2 Prozent der alkoholfreien Getränke in Mehrwegflaschen verkauft – 2,6 Punkte weniger als noch im Jahr 2007. Einen Zusammenhang mit dem Pfand für Einweggetränke will das Bundesumweltministerium (
BMU) aber nicht erkennen und widerspricht den von der GfK veröffentlichten Zahlen. Die Studie sei bedenklich, da mit Wasser und Limonade bepfandete, mit Fruchtsäften aber unbepfandete Getränke in die Studie einbezogen wurden. Es sei unseriös, aus diesen Zahlen Rückschlüsse auf den angeblichen Misserfolg der Pfandregelung zu ziehen. Ohne die Einführung des Flaschenpfandes wären nach BMU-Ansicht Mehrwegflaschen vollkommen vom Markt verschwunden.
Vertreter der Getränkewirtschaft sehen das anders. „Unabhängig davon, ob man die nicht bepfandeten Fruchtsäfte und Fruchtnektare in der Mehrwegquote für Alkoholfreie Getränke mitberücksichtigt oder nicht und unabhängig davon, ob man die Zahlen der GVM, die bislang nur für die Zeit bis Ende 2006 veröffentlicht werden, oder die Zahlen der GfK bis einschließlich des ersten Halbjahres 2008 heranzieht, steht fest: Ein zentrales politisches Ziel des Umweltministeriums, mit dem Einwegpfand die Mehrwegquote zu stabilisieren und damit die mittelständisch geprägte Getränkeindustrie und deren Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern, ist für das Segment alkoholfreie Getränke eindeutig verfehlt worden“, kontert Tim Beerens von der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (
wafg). „Die Mehrwegquote für Getränke in Deutschland war zwar auch vor der Einführung des Einwegpfandes rückläufig. Zu einem regelrechten Umbruch des Getränkemarktes mit dem Mehrweg-Negativrekord kam es aber erst nach der Einführung des Einwegpfandes im Jahr 2003 und besonders erst nach der Etablierung des national einheitlichen Rücknahmesystems für Einweggetränkeverpackungen im Jahr 2006“, erläutert Beerens.
Das Einwegpfand habe den Anstoß für eine wesentlich konsequentere Einweggetränkeproduktion gegeben und gleichzeitig die systematische Listung von Einweg nicht nur bei den Discountern, sondern auch beim traditionellen Lebensmitteleinzelhandel und bei den Getränkeabholmärkten gefördert. „Diese Entwicklung geht eindeutig zu Lasten der mittelständischen Getränkeunternehmen, die die Investitionen in Einwegabfüllanlagen nicht schultern können“, so Beerens.
Nach Ansicht von Vertretern der Getränkewirtschaft könne das BMU seine Hände nicht in Unschuld waschen. Der Ministeriumssprecher würde zwar die Kampfpreise der Discounter bei Mineralwasser als Grund für den gestiegenen Einweganteil benennen, aber die wahre Ursache verschweigen. Die handwerklichen Fehler der Verpackungsverordnung, waren nach Auffassung der Mineralbrunnen-Branche das Einfallstor für den Siegeszug der Discounter beim Absatz von Einweggetränken. Davon habe sich der Mehrwegmarkt nicht mehr erholt. Die mangelhaft konzipierte Rechtslage führe den Discountern „Windfall Profits“ zu. Aus den größten Dosenpfand-Boykotteuren hätten sich die größten Dosenpfand-Profiteure entwickelt. „Durch die eingesparten Gebühren für den Grünen Punkt, durch Pfandschlupf und Recyclingeinnahmen für das sortenreine Verpackungsmaterial erzielen die Discounter jährliche Mehrerlöse von über 400 Millionen Euro. Mit diesem Geld können sie über Quersubventionen den Preis für Mineralwasser in Einwegflaschen künstlich niedrig halten“, moniert Andreas Rottke, Vorstandschef der
Genossenschaft Deutscher Brunnen.
