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Sorgen vor Strahlung: Eltern und Kinder protestierten
Kategorie: MobilfunkAutor: Bürgerinitiative Omega Klaus Rudolph
Alle Fraktionen der Bürgerschaft waren sich einig: Neue Masten für Mobilfunk soll es nicht mehr in der Nähe von Schulen, Kindergärten und Wohnungen geben.
„Weg mit dem Antennenwald“ und „Keine Mobilfunkmasten in der Nähe von Kindergärten“ stand auf den Transparenten. Ohrenbetäubender Lärm aus Trillerpfeifen begleitete die Demonstration. Mehr als 20 Eltern und ihre Kinder wiesen gestern Nachmittag kurz vor der Sitzung der Bürgerschaft vor dem Lübecker Rathaus auf ihre Befürchtungen hin. Nur mühsam bahnten sich die Abgeordneten ihren Weg in den Sitzungssaal.
„Wir haben ein Problem“, erklärte Eva Riedemann (45), eine der verängstigten Mütter, anschließend am Rednerpult. In der Nähe des Kindergartens „Tingelfing“ an der Kahlhorststraße stehe ein Hochhaus mit elf Mobilfunkmasten. Das Umweltamt warne vor der Strahlenbelastung. Die Kinder könnten kaum noch draußen spielen (die LN berichteten). „Das finden wir furchtbar“, so die Lehrerin. „Wir wünschen uns nichts sehnlicher als den Abbau der Antennen.“
Ob das passieren wird, bleibt fragwürdig. Eindeutig ist dagegen seit gestern die Haltung der Bürgerschaft zum möglichen Bau neuer Mobilfunkmasten in der Hansestadt. Mit den Stimmen aller Fraktionen billigte die Versammlung einen Antrag der SPD. Danach ist künftig eine Installation von Mobilfunkmasten auf öffentlichen Grundstücken und Gebäuden in der Nähe von Wohnbebauungen, Kindertagesstätten und Schulen auszuschließen. Dies gelte ebenfalls für alle Grundstücke und Gebäude der städtischen Gesellschaften, heißt es in dem Beschluss.
Doch damit nicht genug: Eilig hatten die Grünen in allerletzter Minute noch einen Zusatzantrag eingebracht. In Zukunft sollen Betreiber von Mobilfunkantennen, deren Strahlung als zu hoch eingeschätzt wird, von der Stadt aufgefordert werden, diese zu entfernen. Das gelte nicht nur für öffentliche, sondern auch für private Gebäude. Zudem soll die Stadt den Betroffenen dabei helfen, die Sendeanlagen zu beseitigen. Auch dieser Antrag wurde von allen Parteien der Bürgerschaft angenommen.
Immer wieder hatte es in Lübeck in der Vergangenheit Proteste gegen die Installation von Sendemasten gegeben. In Kücknitz gab es im vergangenen Jahr Widerstand gegen den Bau einer Antenne in der Kücknitzer Kirche. Ebenfalls umstritten und mittlerweile auf Eis gelegt: die Installation eines Sendemastes auf dem Parkhaus des städtischen Koordinierungsbüros Wirtschaft in Lübeck (KWL) an der Falkenstraße. Viele Anwohner in der Nähe von bereits aufgestellten Masten hatten immer wieder über Schlaf- und Herzrhythmus-Störungen geklagt. „Typische Symptome“, wie Dr. Lebrecht von Klitzing (63) glaubt. Der Lübecker Wissenschaftler hatte im September vergangenen Jahres im Auftrag des Umweltamtes eine Studie erstellt, die den Immissionswert in der Nähe des Kindergartens „Tingelfing“ in St. Jürgen als zu hoch einstuft.
Quelle: Lübecker Nachrichten Lokales 31.1.2003-Auszug-
von Jörg Köpke, LN
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