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06.12.2002 20:59 Alter: 9 yrs

"Strahlungsdichte könnte reduziert werden"

Kategorie: Mobilfunk
Autor: Bürgerinitiative Omega Klaus Rudolph

Die SZ fragte nach beim BI-Gutachter, Diplom-Ingenieur Norbert Honisch, der bei Reutlingen ein Ingenieur-Büro für Umweltstressanalytik betreibt.

Eine maximale Strahlungsdichte von 134.800 Mikrowatt je Quadratmeter hat der von der Bürgerinitiative Oberzell für umweltverträglichen Mobilfunk beauftragte Gutachter an einem Dachbalkon in der Josef-Strobel-Straße gemessen, im Haus neben der Mobilfunk-Sendeanlage von T-Mobile D1. Der Betreiber, der von der Stadtverwaltung zuvor mit Messungen beauftragt worden war, hatte dagegen wesentlich geringere Spitzenwerte von maximal 2.445 Mikrowatt ermittelt.

SZ: Wie erklären Sie sich die enormen Unterschiede bei den Messergebnissen? Immerhin liegen die von Ihnen ermittelten Werte um rund das 50fache über denen von T-Mobile.

Der von mir angegebene Wert stellt den aus den Messergebnissen ermittelten höchstmöglichen Fall (Worst-Case) dar, das heißt, einen Betrieb der Anlage mit der maximal genehmigten Anzahl von vier Funkkanälen. T-Mobile hat offenbar lediglich den zufälligen Augenblickswert gemessen und veröffentlicht.

SZ: Sind die Messpunkte in der Josef-Strobel-Straße 2, bei denen T-Mobile einen Spitzenwert von 2444,56 ermittelte und sie 134.800 µW/m2, denn identisch?

Nach Angabe der BI Oberzell hat T-Mobile dort auf der Straße gemessen, also unterhalb der Sendeanlage. Die höchsten Strahlungsdichten herrschen aber im nahen Umfeld der Anlage auf etwa gleicher Höhe der Antennen. Dort habe ich gemessen. Die beiden Messpunkte sind somit nicht identisch und die Messergebnisse folglich nicht zu vergleichen.

SZ: Immerhin liegen alle Messergebnisse immer noch deutlich unter dem in Deutschland festgesetzten Grenzwert von 4,67 Millionen µW/m2. Was sagt dieser Grenzwert aus und gibt es noch andere Vergleichswerte?

Es ist richtig, dass sowohl die von T-Mobile als auch von mir ermittelten Strahlungsdichten erheblich unter den in Deutschland geltenden Grenzwerten liegen. Diese Grenzwerte berücksichtigen allerdings ausschließlich durch Mikrowellen verursachte Wärmeeffekte und nicht die in den letzten Jahren immer häufiger festgestellten biologischen Wirkungen weit unterhalb dieser thermischen Schwelle.

Dies bestätigt auch der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz. Es gibt mittlerweile in Europa Empfehlungen, die das Ziel einer sinnvollen Vorsorge berücksichtigen. Selbst eine vom EU-Parlament eingesetzte Wissenschafts-Kommission kam im Jahr 2001 zu dem Ergebnis, für den aktuellen GSM-Mobilfunk die Grenzwerte stufenweise auf eine Strahlungsdichte von 0,1 Mikrowatt pro Quadratmeter zu senken.

Selbst bei Realisierung dieser Empfehlung wäre Mobilfunk nach wie vor möglich, wobei sicherlich technische Modifikationen an den Netzen nötig wären. Allerdings sollten wir uns die Frage stellen, ob es wirklich notwendig ist, auch innerhalb von Gebäuden an ungünstigen Stellen immer und überall mobil telefonieren zu können. Bei Verzicht auf diese Zielsetzung könnten die aktuellen Strahlungsdichten nach meiner Abschätzung um etwa den Faktor 1.000 reduziert werden.

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