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Subsistenzlandwirtschaft satt Ethanol und Soja-Diesel
Kategorie: HintergrundinfosAutor: Norbert Suchanek
Unser Blauer Planet steht vor einem Klimachaos oder ist bereits mitten drin. Die Erde heizt sich aufgrund der extrem zunehmenden Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) und Lachgas (N2O) immer schneller auf, so dass Gletscher schmelzen, Meere ansteigen, Stürme zu Orkanen werden. Alle Welt schreit nach Ersatz für Erdöl, Erdgas, Benzin und Diesel und ruft nach Biotreibstoffen.
Riesige Plantagen sollen auf dem Land der Afrikaner, Asiaten, Melanesier und Lateinamerikaner entstehen, damit wir automobilisierten Europäer und unsere nordamerikanischen Freunde weiter Auto fahren können, weiter Lebensmittel und Treibstoffe von einer Ecke des Planeten zur anderen verfrachten können. Kurzfristige Symptombekämpfung – egal wie – ist gefragt. Und so gut wie Niemand stellt die Frage nach der eigentlichen Ursache der Globalen Erwärmung: die Vernichtung regionaler und lokaler Strukturen.
Als ich sechs Jahre alt war, 1969, hatten wir einen Milchladen auf der anderen Straßenseite unseres Wohnblocks. Er war nicht größer als vielleicht 20 Quadratmeter: Die Besitzerin lebte davon, frische Milch, Quark und Eier von Bauernhöfen aus der Umgebung zu verkaufen, „offen“, denn nichts davon war verpackt. Man ging mit seiner eigenen Milchkanne hin. Der Milchladen so wie ein Dutzend anderer Tante-Emma-Läden in meiner Umgebung überlebten die siebziger Jahre nicht. Zwei, drei Jahre nach der Wende besuchten wir mit der Familie die Insel Rügen. Wir kamen in einem hübschen Dorf mitten auf der Insel unter. Problem: der einzige Dorfladen hatte vor kurzem dicht gemacht. Aber wenigstens gab es noch einen Fischer, der eine eigene Fischräucherei betrieb und uns mit köstlichen Sprotten versorgte. Aber auch der Fischladen überlebte die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts nicht. Grund: Die eingestampften lokalen Geschäfte waren seine wichtigsten Abnehmer - und die neu in den Osten drängenden und mit Aufbau-Ost-Subventionen gepuschten Supermarktketten aus dem Westen wollten von regional erzeugtem, heimischen Räucherfisch nichts wissen.
Missbrauch von Steuergeldern
Unsinnige, die großindustrielle Produktion bevorzugende Hygienestandards; Milliarden an direkten und indirekten Subventionen an Agrar- und Nahrungsmittelkonzerne; der Bau von Autobahnen, Containerhäfen und Frachtflughäfen mit Steuergeldern; die Subventionierung von Supermärkten auf der sprichwörtlichen grünen Wiese durch Bereitstellung der Infrastruktur wie Kanalisation und Straßenanbindungen: all dies radierte vielfältige, regionale und Klima schonende Strukturen aus und förderte die fossile Energien fressende Monokultur in aller Welt.
Allein in Deutschland warfen seit 1949 von damals 2,3 Millionen bäuerlichen Betrieben fast zwei Millionen das Handtuch – und das „Bauernsterben“ ist längst nicht beendet. In unserem Nachbarland Österreich gaben in der Folge seines EU-Beitritts im Jahr 1995 in nur fünf Jahren 70.000 bäuerliche Betriebe auf. In der gesamten EU geht die Zahl der Bauern jährlich um etwa 300.000 seit Ende der 90er Jahre zurück - trotz EU-Subventionen von etwa 40 Milliarden Euro im Jahr. Gleichzeitig breitet sich die industrialisierte, energieintensive Landwirtschaft europaweit und global aus, mit drastischen Folgen für das Klima, ist sie doch als Folge der künstlichen Stickstoffdüngung für den Ausstoß des über 300 Mal gefährlicheren Treibhausgases Lachgas verantwortlich.
