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25.01.2006 16:17 Alter: 6 yrs

Umweltmord durch Bioalkohol

Kategorie: Hintergrundinfos
Autor: Norbert Suchanek

Brasilien: Resignation und Protest im Pantanal.

Einer meiner ersten Artikel überhaupt, den ich veröffentlicht habe, handelte über das Thema alternative Treibstoffe. Er trug den Titel „Die Zukunft gehört dem Wasserstoff“ und erschien 1988 in der Deutschen Tagespost. Ich stehe noch heute im Wesentlichen hinter den Aussagen des Artikels, der an Aktualität bis heute nichts eingebüßt hat. Er zeigt die Vorteile von pflanzlichen Treibstoffen wie Rapsöl im Vergleich zu Erdöl auf, warnt aber gleichzeitig vor zuviel Euphorie. Denn ich hatte das negative Beispiel Brasilien vor Augen, wo schon in den 1980er Jahren die Regierung auf Teufel komm raus auf Alkohol – heut spricht man fälschlich von Bioalkohol - aus Zuckerrohr als Benzinersatz setzte. Während Menschen im Nordosten des Landes verhungerten, opferte die brasilianische Regierung die besten Böden und sogar Regenwaldgebiete dem Autofahren mit Ethanol. Wie aktuell mein nun schon 17 Jahre alter Artikel ist, zeigt der Tod des brasilianischen Journalisten und Umweltschützers Francisco Anselmo Gomes de Barros.

Der 65jährige, in Brasilien als „Francelmo“ bekannte Gründer einer der ältesten Naturschutzorganisationen des Landes, Fundacao para Conservacao de Natureza de Mato Grosso du Sul, verbrannte sich öffentlich aus Resignation und Protest gegen die weitere Zerstörung und Vergiftung von Brasiliens Naturressourcen durch Ausweitung des Zuckerrohranbaus und dem Bau noch weiterer Ethanolfabriken. Er sah in seinem schrecklichen Tod die einzige Chance den geplanten Bau von nicht weniger als 23 Bioalkoholfabriken im Wassereinzugsgebiet des Pantanal, des größten Feuchtgebiets der Erde, zu verhindern. 1982 noch hatte Francelmo im Verbund mit vielen anderen brasilianischen Umweltschutzorganisationen ein Gesetz durchsetzen können, dass die aufgrund ihrer giftigen Abwässer umweltschädlichen Ethanolfabriken nicht mehr im Bereich der rund 180.000 Quadratkilometer großen Süßwasserwildnis im Länderdreieck Brasilien, Bolivien und Paraguay errichtet werden dürften. Doch genau dieses, will der Gouverneur des brasilianischen Bundesstaates Mato Grosso kippen, um auch am Boom des „Biosprits“ für den Autoverkehr sowie für den Export zu profitieren.

Bereits heute ist Brasilien der weltweit größte Produzent von Ethanol. Seine Zuckerrohranbaufläche ist auf rund 5,7 Millionen Hektar angewachsen mit einer jährlichen Produktion von rund 15 Milliarden Liter Alkohol sowie 26,5 Millionen Tonnen Zucker, so die aktuellen Zahlen des brasilianischen Landwirtschaftsministeriums. Schon seit langem fahren Brasiliens Autos zu etwa 44 Prozent mit diesem in Europa nun als „Biotreibstoff“ propagierten Ethanol, der dort zum einen als reiner Alkohol oder als Benzin-Alkoholgemisch getankt werden kann. Rund 2,5 Milliarden Liter seiner Ethanolproduktion aus Zuckerrohr exportiert Brasilien bereits vor allem in die USA und nach Indien. Brasilien ist damit mit Abstand der weltweit größte Ethanolexporteur, analysiert die aktuelle Worldwatch Institute-Studie „Renewables 2005 – Global Status Report“. Und die brasilianischen Zucker- und Ethanolindustrie könnte und will noch viel mehr Ethanol exportieren - vor allem nach Europa, wenn es die EU zulässt. Schließlich könne Brasilien den „Biosprit“ um mehr als 50 Prozent billiger produzieren als die EU, so das Worldwatch Institute.

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