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Verpackungsrecycling vor der Neuordnung
Kategorie: HintergrundinfosAutor: Matthias Schmitz
Entsorgungsverträge, Dosenpfand und Wettbewerbshürden bringen Handel, Entsorger und Konsumgüterindustrie ins Schleudern
Bonn/Frankfurt am Main/Berlin, www.ne-na.de - Die Neuausschreibung von Entsorgungsaufträgen durch das Grüne-Punkt-Unternehmen Duales System Deutschland (DSD) werde nach einem Bericht der FAZ in der deutschen Abfallbranche eine Konsolidierungs- und Übernahmewelle auslösen: „Wir stehen vor einer Entwicklung hin zu Marktstrukturen wie in Frankreich und Spanien. Die drei Großen werden noch größer werden, während die mittleren Entsorger stark unter Druck geraten", prognostiziert Axel Schweitzer, Vorstandsmitglied der Berliner Alba AG gegenüber der FAZ. In der laufenden DSD-Ausschreibung werde etwa die Hälfte des gesamten Auftragsvolumens von jährlich 1,5 Milliarden Euro für die Abfuhr und Entsorgung von Leichtverpackungen, Glas und Altpapier zum 1. Januar 2007 neu vergeben. „Der amerikanische Finanzinvestor KKR, der das Kölner Unternehmen 2004 erworben hatte und möglichst bald weiterverkaufen will, drückt dabei mächtig auf die Konditionen“, so die FAZ. Nach einem Bericht des Rossmann-Kundenmagazins „Centaur“ sei die Nervosität berechtigt. Eine Firma, die die Rendite-Erwartungen von KKR nicht erfülle oder den anvisierten Wiederverkaufswert nicht erreiche, störe das Bild.
„Deshalb hat KKR ein Interesse an der Wertsteigerung oder zumindest am Werterhalt des DSD“, so das Magazin „Centaur“. Allerdings könne die Renditeerwartung einer amerikanischen Risikokapitalgesellschaft nicht der Maßstab für die Gestaltung der Abfallpolitik sein. In der Entsorgungsbranche rechnet man im DSD-Vertragspoker mit Preissenkungen von zehn und mehr Prozent. Auch Alba gehöre zu den Auftragnehmern des Grünen Punktes. „Für viele mittlere Entsorger bilden die DSD-Aufträge sogar das Kerngeschäft, so dass sie es sich kaum leisten können, leer auszugehen“, schreibt die FAZ. „Die Angebote bewegen sich zum Teil schon auf Grenzkostenniveau. Das wird manches Unternehmen nicht überstehen. Im kommenden Frühjahr und Sommer werden wir die ersten Insolvenzen sehen", prognostiziert Schweitzer im Gespräch der FAZ. Für den mittelständisch geprägten Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) sind diese Aussagen ein Alarmzeichen: Der Gesetzgeber dürfe es nicht zulassen, „dass es, quasi aus Versehen, dem Entsorgungsbereich so ergeht wie der Energieversorgungsbranche. Bei der Energieversorgung diktiert ein Kartell weniger Unternehmen bei privaten wie gewerblichen Kunden die Preise. Die Warnhinweise des Bundeskartellamts in Richtung Oligopolisierung der Entsorgungsbranche lassen doch an Deutlichkeit nichts mehr zu wünschen übrig“, betont der bvse-Präsident Johannes Blees.
Die Politik müsse hier reagieren, um rechtzeitig und vorausschauend ein wirksames Korrektiv zu installieren. In diesem Zusammenhang fordere der bvse eine erheblich stärkere personelle Ausstattung des Bundeskartellamtes. „Es kann nicht sein, dass die Politik die fachlich zuständige Missbrauchsaufsicht und damit den Mittelstand im Regen stehen lässt“, kritisiert Blees. Die politisch Verantwortlichen müssten nach Ansicht des bvse stärker im Blick haben, welche wirtschaftspolitischen Auswirkungen ihre Gesetzgebung in der Praxis habe. Dabei gehe es meist nicht um die umweltpolitischen Zielsetzungen als vielmehr um die Wege dorthin. Das hessische Umweltministerium will die Novelle der Verpackungsverordnung nutzen, um den Wettbewerb bei der Verpackungsentsorgung zu stärken. Bei der Zulassung von Konkurrenzfirmen des Grünen Punkt-Konzerns gebe es nach Ansicht von Umweltminister Wilhelm Dietzel zu hohe bürokratische Hürden.
