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Von den Alternativen zur Kuhmilch
Kategorie: Gesundheit und ErnährungAutor: Norbert Suchanek
Milch oder nicht Milch – das ist hier die Frage.
Es gibt Leute, die mögen von Haus aus keine Milch, selbst wenn sie von glücklichen Kühen eines Biobetriebs stammt. Andere trinken sie nicht, weil sie eine Allergie gegen Kuhmilch haben. Die Dritten haben das Gefühl, dass sie sie nicht vertragen, was durchaus rationelle Gründe haben kann. Denn um tierische Milch, genauer gesagt den darin enthaltenen Milchzucker, Laktose, beschwerdefrei zu verdauen, braucht es ein bestimmtes Enzym, die Laktase. Und dieses Enzym ist nicht jedem Erwachsenen gegeben. Nach der Kindheit wird die Laktase bei etwa 15 Prozent der Deutschen nicht mehr erzeugt. In Ostasien, vor allem Japan und China und bei den indianischen Völkern Amerikas ist es genau andersherum. In diesen Kulturen fehlt bei der Mehrheit der Erwachsenen das Enzym.
Der Grund für diesen Unterschied liegt wahrscheinlich an Ursprung und Entwicklungsgeschichte des Menschen und seiner verschiedenen Kulturen. So stammen die Deutschen zum Großteil von den sogenannten Indo-Germanen ab, die einst in einer Art Symbiose mit Rindern lebten und mit diesen aus dem iranischen Raum nach Europa gezogen sind. Dabei nutzten unsere Vorfahren selbstverständlich alle Produkte, die die Rinder liefern konnten: Fleisch, Felle, Blut und Milch, so wie zum Beispiel die „letzten“ Rindernomaden Schwarzafrikas, die Massai. Rinderblut vermischt mit Kuhmilch ist bis heute ihr Grundnahrungsmittel, dass sie gesund, stark und alt werden lässt. Über die Jahrtausende hinweg haben sich bei den auf Viehzucht setzenden Kulturen dann natürlich diejenigen Menschen durchgesetzt und fortgepflanzt, die am besten die Milch vertragen haben und Laktase auch im Erwachsenenalter bilden konnten.
In anderen Weltregionen hingegen, besonders in Ostasien hat sich über die Jahrtausende hinweg eine andere, mehr auf pflanzliches Eiweiß spezialisierte Kultur entwickelt. Statt tierischer Milch nutzen diese Kulturen vor allem die Soja-Bohne. Und ähnlich wie die Tierzüchter mit der Zeit lernten, aus der Milch ihres Viehs die verschiedensten mehr oder weniger haltbaren Produkte wie Käse, Quark oder Jogurt herzustellen, lernten die ostasiatischen Völker aus Soja zum Beispiel Tofu zu machen. Dass ein gewisser Prozentsatz der Chinesen trotzdem über das spezielle Enzym zur Verwertung von tierischer Milch verfügt, liegt in erster Linie an den Rinder-, Ziegen-, und Schafe züchtenden Türkvölkern, die sich von den Hochebenen Zentralasiens nicht nur nach Westen, sondern auch nach Osten ausgebreitet haben. Freilich spielt ebenso eine gewisse Vermischung mit westlichen Genen durch Kolonisatoren, Touristen oder Handelsreisenden wie Marco Polo eine Rolle. So erklärt sich im Übrigen auch die Milchunverträglichkeit bei uns Europäern.
Kuhmilchallergie durch Homogenisierung
Die manchmal auch als Milchunverträglichkeit bezeichnete Kuhmilchallergie hat aber nichts mit entwicklungsgeschichtlichem Laktasemangel zu tun. Die Allergie gegen Kuhmilch ist heutzutage eine der häufigsten Nahrungsmittelallergien und wird durch die Eiweißbestandteile der Milch ausgelöst. Sie äußert sich zum Beispiel in Neurodermitis, Verdauungsbeschwerden, Durchfall, Blähungen, Darmkrämpfe und Darmentzündungen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass ein Grund der immer häufiger werdenden Milchallergien in der industriellen Milchverarbeitung liegt. So fanden australische Forscher 1999 in Tierexperimenten die Homogenisierung der Milch als Übeltäter heraus. Die australische Studie bestätigte Untersuchungen aus Dänemark aus den 1980er Jahren. Einigen dänischen Eltern war aufgefallen, dass ihre Kinder nur auf molkereitechnisch behandelte Milch allergisch reagierten, unbehandelte Milch vom Bauernhof hingegen vertrugen. Die Dänischen Forscher gingen diesen Beobachtungen mit wissenschaftlichen Experimenten auf den Grund. Ergebnis: Mit zunehmendem Fettgehalt der homogenisierten Milch stieg auch deren Allergenität. Der Fettgehalt der unbehandelten Milch hatte hingegen keinen Einfluss.
Bei der Homogenisierung werden im Hochdruckverfahren die Fettkügelchen der Milch um das zehnfache verkleinert und die natürliche Verteilung des Eiweißes in der Milch verändert. An die Fettkügelchen wird erheblich mehr Eiweiß gebunden, als bei nicht homogenisierter Milch. Und das ist wahrscheinlich die Ursache für die Allergie auslösende Wirkung homogenisierter Milch. Nichtsdestoweniger ist heute fast jede Milch im Handel, egal ob biologisch oder konventionell hergestellt, homogenisiert. Ausnahme ist die Bio-Milch von Demeter. Besonders intensiv hat der Demeter-Verband das Thema problematisiert. Der Forschungsring für Biologisch Dynamische Wirtschaftsweise hat den Einsatz von Homogenisatoren für Demeter Milch verboten und den Homogenisierungsgrad (Nitzo Methode) auf maximal 30 Prozent beschränkt.
