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Zukunftsmarkt Klimaschutz: Wie wir die Welt retten und dabei Geld verdienen können
Kategorie: KlimaschutzAutor: C. Recklies
Der Untertitel dieses Buch verspricht Unglaubliches: "Wie wir die Welt retten und dabei Geld verdienen können". Dies versucht Herausgeber Stephan Kosch mit einer Vielzahl von bekannten Mitarbeitern auf 212 Seiten zu erklären.
Unter diesen Mitarbeitern befinden sich zum Beispiel Michael Müller (Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit), Holger Krawinkel (Verbraucherzentrale Deutschland), Jan Burck (Germanwatch), Nicolai Fichtner (Financial Times Deutschland, Hermann Scheer (MdB und Träger des Alternativen Nobelpreises) und Norbert Schüren (Stadtwerke Marburg GmbH).
Bereits an dieser Auflistung merkt der Leser das Stephan Kosch, seines Zeichens TAZ-Redakteur, aus allen Wirtschafts- und Finanzbereichen Personen in diesem Buch vereint hat, die im Grunde genommen, unterschiedlichere Einstellungen zum Klimaschutz nicht haben könnten.
Soweit die gängige Meinung. Die Autoren beweisen aber in ihren Artikeln, das der Schutz des Klimas mittlerweile in alle Bereichen präsent ist.
Nach einer kurzen Einleitung teilt sich das Buch in 3 große Kapitel: "Wer bezahlt?“, „Wer profitiert?“ und „Die ökologische Revolution der Wirtschaft“.
In dem ersten Kapitel geht es größtenteils um Aktienfonds, Börsenspekulationen und Zahlen, Zahlen, Zahlen.
Leser mit großem Interesse an Betriebswirtschaft, Börse und Aktienfonds werden hier sehr viele interessante Sachen erfahren. Unter anderem auch, wo Investitionen sich lohnen würden, wie die Zukunft an der Börse aussieht, wo Nischen im Kapitalmarkt sind und wo Greenwashing betrieben wird. Letzteres ist einer der wenigen Punkte, die bei diesem Kapitel überzeugen können.
Zu sehr stützen sich einige Autoren auf Zahlen, Gewinnanalysen und Prozentzeichen.
Einen grundlegenden Artikel hat zum Beispiel Christian Weistroffer geschrieben. In seinem Text "Den Klimawandel bewältigen - Die Rolle der Finanzmärkte" analysiert er das Thema Emissionshandel. Dabei jongliert er auch mit Begriffen wie "Cat-Bonds, Wetterderviate und Clean Development Mechanism. Dies sind sicherlich wichtige Finanz- und Versicherungsstrukturen, doch dürfte der gemeine Leser trotz Erklärung recht wenig damit anfangen können. Dem Emissionshandel wurde in diesem Artikel viel Platz eingeräumt. Er wird richtigerweise als wichtigstes Instrument zur CO2-Reduzierung bezeichnet. Dieser Punkt wird auch in vielen anderen Artikeln des Buches aufgenommen.
Zusammengefasst ist das erste Kapitel teilweise wirklich schwere Kost und eher auf eine kleine Zielgruppe ausgerichtet.
Das zweite Kapitel dürfte dagegen auch den Normalbürger ansprechen. Gleich im ersten Artikel wird der Ursache auf den Grund gegangen, das Sachsen-Anhalt einen Windkraftanteil von 40 % und Baden-Württemberg einen Anteil von 0,5 % hat. Ab hier geht es dann Schlag auf Schlag. Der Leser erfährt interessante Details vom Herausgeber Stephan Kosch zum Thema Biosprit. Hier werden noch einmal die vergangenen Monaten Revue passiert, die entscheidend für die Biospritproduktion der Zukunft waren.
Als nächstes folgt der Artikel von Holger Krawinkel. Dieser Text bleibt wohl am ehesten hängen, denn er richtet sich genau an den Leser. Hier bekommt man Tipps, wie man 50 % und mehr seiner Energiekosten sparen kann. Im Grunde genommen handelt es sich nicht um neue Tipps und Tricks. Doch werden die Infos hier sehr kompakt dargeboten und gut erläutert. Durch den rechnerischen Ansatz wird der Leser zum mit kalkulieren aufgefordert, was sicherlich mehr fruchtet als ewige Appelle. Ein sehr guter Text.
Im darauf folgenden Artikel wird mit dem Co2-Ausgleich abgerechnet. Diese Lösung scheint der hiesigen Industrie den Heiligenschein aufzusetzen, ohne das irgendwelche Anstrengungen dafür unternommen werden. Der Artikel bringt die Kritik an diesem angeblichen Klimaschutz-Instrument auf den Punkt und lässt z.B. den Gründer von atmosfair zu Wort kommen.
Ein wenig skeptisch muss man wohl dem Artikel "Das Comeback der Stadtwerke" vom Stadtwerke Marburg Geschäftsführer Norbert Schüren gegenüber stehen. Dieser erläutert hier, worin der Vorteil beim Klimawandel für die vielen lokalen Energieversorger steckt. Der Autor bezieht sich hier besonders auf das Thema Kraft-Wärme-Kopplung und nennt Beispiele aus der Praxis, natürlich von Projekten der Stadtwerke Marburg. Deswegen bleibt ein fader Beigeschmack. Denn es hat eine Spur von Lobbyismus, wenn ein Geschäftsführer eines lokalen Versorgers seine eigenen Klimaschutz-Anstrengungen vorstellt, und es schafft andere Versorger mit keiner Silbe im Artikel zu erwähnen.
Im letzten Kapitel kommt Michael Müller, seines Zeichens parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, zu Wort. Dieser fasst noch einmal die bisherigen Klimaschutzanstrengungen des Staates zusammen und ruft zu einem ökologischen Konsens in der Weltwirtschaft auf. Dabei macht er zahlreiche Vorschläge wie in Zeiten der Globalisierung das Thema Klimawandel von allen Staaten gemeinsam bearbeitet werden kann.
In einem Kurzen Nachwort geht der Herausgeber noch einmal auf die möglichen Verlierer des Klimawandels ein. Wo liegen die Fehler, was wurde versäumt, wie kann man evtl. doch noch den Hals aus der Schlinge ziehen?
Fazit
Nach 17 Artikeln, Interviews und Berichten bleibt insgesamt eine zwiespältige Meinung zu diesem Buch über.
Es beginnt mit schwierigen Themen, wie der Finanzwelt und der Börsenstruktur, bessert sich dann im Mittelteil durch angenehme praxisbezogene Texte und geht im Schlussteil zu einem nicht ganz so optimistischen Resumé über.
Als Herausgeber hätte sich Stephan Kosch die Mühe machen können die Artikel etwas mehr auf sich abzustimmen. So finden sich zahlreiche Dopplungen an Argumenten, einige werden sogar durch einen anderen Artikel widerlegt und dann ist da noch die ungeheure Zahlen- und Datenflut die im ersten Teil den Leser zu überfordern droht.
Sehr gelungen ist dagegen das Kapitel "Wer profitiert?". Hier gibt es verständliche und gut recherchierte Artikel en mass. Der Leser wird zum aktiv werden aufgefordert und bekommt Hilfestellungen bei Klimaschutzbestrebungen.
Somit ist das Buch durchaus empfehlenswert, sofern man ein paar Vorkenntnisse in der Betriebswirtschaft bzw. dem Finanzsystem mit bringt. Für interessierte Leute, die nicht über derartiges Wissen verfügen, kann der zweite Teil dennoch interessant sein, um einen Überblick über die Geschehnisse im Wirtschaftsleben zum Thema Klimawandel zu bekommen.
Kurzinformation
Stephan Kosch (Hrsg.)
Zukunftsmarkt Klimaschutz: Wie wir die Welt retten und dabei Geld verdienen können (Broschiert)
212 Seiten, Parthas Verlag
Preis: 19,80 Euro
ISBN: 978-3866014299
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