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19.06.2005 07:44 Alter: 13 yrs

Naturschutz auf Vorpommernart

Kategorie: Artenschutz
Autor: Beatrice von der Pahlen

Ort des Grauens oder Naturschutz in Vorpommern.

Bei einem Urlaubstrip in Richtung Rügen stoppte ich in Bugewitz, schnappte mein Minifahrrad und wollte mir mal das NSG „Anklamer Stadtbruch“ anschauen. Das Wetter war nicht schlecht.
Auf einem alten Bahndamm fuhr ich in Richtung Kamp und sah auch bald eine Kormoran-Kolonie. Ich wunderte mich etwas über den bestialischen Kadavergeruch und die vielen fast leeren Nistbäume gegenüber dem Bahndamm. Dahinterliegende Bäume waren vollbesetzt.

Auf dem Stichkanal näherte sich ein Kanu mit einem Einheimischen, der sich nach meinem Zuruf näherte. Auf meine Frage nach dem Zustand der Kolonie berichtete er von einer kürzlich statt-gefundenen Bestandsregulierung. Das machte mich stutzig! Schießerei im Naturschutzgebiet?

Ich hatte vorher in der Nähe einen Seeadlerhorst mit Jungen gesehen! Das wollte ich nun genauer wissen. Der junge Mann setzte mich über und ich konnte in dem schlammigen Gelände unter größten Schwierigkeiten einige Aufnahmen machen. Überall lagen tote Junge herum und zwischen den Bülten hüpften angeschossene Kormorane herum. Ein Bild des Grauens!!!!

Ab und zu fielen junge Kormorane von den Bäumen, die vor Hunger auf den glatten Ästen der Eichen den Erwachsenen entgegenkrabbelten. Graureiher stürzten sich auf die hilflosen Jungen und zerfetzten sie dann. Ich konnte das gar nicht mehr weiter mit ansehen. Es reichte mir in jeder Hinsicht. Total schlammverschmiert kam ich mit Mühe ins Kanu zurück.

Der junge Mann nahm mich freundlicherweise zur Totalreinigung ins Dorf mit. Er zeigte mir in der Heimatzeitung Artikel über diese mörderischen Verstösse gegen geltendes EU-Recht. Angeblich wurde dieser Abschuss von einem Herrn Wölfel vom Landesnaturschutzamt in Güstrow genehmigt.

Diese „Waidmänner“, die in erster Linie an ihre eigenen finanziellen Interessen als Fischer denken, haben nach eigenen Angaben 2856 junge Kormorane geschossen!!!!!! Das wären ca. 3-5 Tonnen Fleisch das nun verludert, denn diese „Heger und Pfleger“ der heimischen Natur haben ja kaum was abtransportiert. Wenn doch, wo ist es verblieben?

In der Zeitung präsentierten sie sich in Siegerpose auf dem Schlachtfeld trotz ihrer massiven Verstöße gegen das jagdliche Brauchtum, sowas tut man als Jäger einfach nicht. Es bleiben noch viele Fragen. U.a. Wie kann im Horstbereich eines Seeadlers geschossen werden? Wenn schon Kormorane dezimiert werden, muss es doch nicht bei der Jungenaufzucht sein!

Ein Jäger ist nur mutig mit der Waffe in der Hand, nicht aber beim Klettern auf den Baum. Widersprüche in der Gemeinde gabs wohl nur wegen Formalitäten, man hat offenbar noch nicht begriffen, das die einzige Entwicklingschance dieser strukturschwachen Region im Tourismus liegt. Um diese Schlachterei am 18.06. fortzusetzen, wurden kurzerhand gleich per Zeitung weitere „Waidmänner“ zu diesem unwürdigen Gemetzel eingeladen. Wahrlich ein würdiges Zeugnis von Heimatliebe und Naturverbundenheit. Protestmails an den Landkreis Ostvorpommern als Untere Naturschutzbehörde sollten den Abscheu der Naturfreunde zum Ausdruck bringen ( E-Mail: posteingang(at)landkreis-ostvorpommern.net).