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16.09.2005 07:29 Alter: 12 yrs

Warum wir uns vor Handystrahlung schützen sollten

Kategorie: Mobilfunk
Autor: Herwig Borr

Die letzten 15 Jahre haben das Telefonieren revolutioniert. Telefonierte man früher meist mit einem kabelgebunden Telefon, so stehen heute in Millionen von Haushalten Funktelefone nach dem DECT-Standard, zudem wird das Handy heute mehr genutzt den je. Eine insbesondere gesundheitliche Technologiefolgenabschätzung ist nie erfolgt.

Neueste Forschungsergebnisse scheinen nun einen Einblick in die Schattenseiten der Funktechnologien zu eröffnen. So zeigt u.a. die von der EU finanzierte Reflex-Studie durch Hochfrequenz(HF)-Strahlung hervorgerufene gentoxische Effekte auf, wie man sie bisher nur Röntgen-Strahlung zugeschrieben hatte. Dazu der Projektleiter, Prof. Franz Adlkofer: "Wenn wir dasselbe was wir im Reagenzglas nachgewiesen haben auch bei Mensch und Tier feststellen ... dann sähe es ziemlich trübe aus für diese Technologie (gemeint ist die Mobilfunktechnologie)". Würden bei einem Medikament in Testphase gentoxische Effekte festgestellt werden, so wird es mit Sicherheit keine Zulassung geben. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät mittlerweile auf seiner Internetseite zur präventiven Vorsicht im Umgang mit Mobiltelefonen.

Das bloße Tragen eines Handys am Körper mag gesundheitsschädlich sein. Wissenschaftliche Studien lassen in der Tat den Verdacht aufkommen, dass beim Tragen eines Handys in Hüfthöhe die Spermienqualität negativ beeinflusst wird. Wenn nicht telefoniert wird, nimmt der nächste Mobilfunksender aber nur ca. alle 30 bis 60 min Kontakt zum Handy auf. Diese Kommunikation dauert nur wenige Sekunden. Viel entscheidender ist die Strahlenexposition durch das Handy, wenn telefoniert wird.

Das gesündeste Telefonieren ist nach wie vor das mit einem Kabeltelefon, da bei ihm keine HF-Strahlung erzeugt wird. Fragt man nach den generellen Strategien, sich vor Hochfrequenz zu schützen, so gibt es 3 Antworten. 1. Quelle abschalten (Kabeltelefon). 2. Sich von der Quelle entfernen. Ist beides nicht möglich (das Handy befindet sich nun einmal am Kopf), so kann man sich 3. vor der Strahlung nur durch physikalisch wirkende Materialien oder Produkte abschirmen.

Die Hauptquelle für Elektrosmog zuhause sind DECT-Telefone, die aus einer Basisstation und einem Mobilteil bestehen. Die Basisstation gibt eine permanente Dauerstrahlung ab, egal ob telefoniert wird oder nicht. Viele Menschen leiden unter den Folgen der Strahlung, ohne sich dessen bewusst zu sein, denn wer kommt schon auf die Idee, Gesundheitsbeschwerden mit dem Telefon in Verbindung zu bringen. Die in Fachkreisen diskutierten zahlreichen Erlebnisberichte Betroffener zu ihren Befindlichkeitsstörungen im Zusammenhang mit Mobiltelefonen haben die breite Öffentlichkeit noch nicht erreicht.

Verglichen mit einem Handy direkt an der empfindlichen Körperregion Kopf ist die Belastung durch DECT aber geradezu "harmlos". DECT darf - Basisstation wie Mobilteil - mit maximal 0,25 Watt senden, ein Handy mit maximal 2 Watt: Faktor 10. Von einer höheren Sendeleistung macht das Handy auch tatsächlich Gebrauch, denn es soll ja der viel weiter entfernte Mobilfunksender erreicht werden. Hierbei hilft die so genannte Pegelsteuerung des Handys, mit der seine Sendeleistung an die jeweilige Entfernung zum Mobilfunksender dynamisch angepasst wird. Deshalb sollte mit einem Handy niemals aus einem Auto, öffentlichen Verkehrsmittel, einer Tiefgarage, einem Keller oder einem U-Bahntunnel heraus telefoniert werden, denn dies schwächt das Signal des Mobilfunksenders ab und steigert die Leistung des Handys.

Elektrosmogexperte Wolfgang Maes warnt zu Recht: "Ein Handy am Ohr, wenige Zentimeter vom Gehirn entfernt, ist eine der stärksten Strahlungsquellen, die wir uns in der Menschengeschichte jemals zugemutet haben, speziell für die empfindliche Körperregion Kopf ..." (Zitat aus: STRESS DURCH STROM UND STRAHLUNG, Wolfgang Maes, 5. Auflage 2005, Seite 183)

Grund für die vermutete, hohe biologische Wirksamkeit auf den Organismus der heute meist genutzten Strahlung ist die Art und Weise, wie die Funkwellen übertragen werden. Physikalisch handelt es sich um so genannte gepulste Strahlung. Die Funkwelle wird nicht durchgehend gesendet, sondern ständig unterbrochen (beim Handy 217 mal pro Sekunde), eben gepulst. Alle Handys, ob D-, E- oder UMTS-Netz, und auch DECT arbeitet mit dieser Technik.

In der Reflex-Studie stellte man gentoxische Effekte wie Einzel- und Doppelstrangbrüche der Erbsubstanz DNS und die so genannte Kleinkernbildung fest. Diese Effekte treten bei einer Dauerstrahlung und erstaunlicherweise stärker noch bei so genannter intermittierender Strahlung auf, also bei der praxisnahen Benutzung eines Handys etwa: 5 min an - 10 min aus. Veränderungen der Erbsubstanz können zu Tumoren führen.

Das Risiko durch Handystrahlung an einem Tumor zu erkranken ist nach Professor Lennart Hardell vom Universitätshospital in Orebro (Schweden) in ländlichen Regionen größer. Hardell und seine Kollegen, die 1.429 Personen mit bös- und gutartigen Gehirntumoren und 1.470 Gesunde untersucht haben, sehen das Gesundheitsrisiko in der Stadt erst nach zehnjähriger Nutzung ansteigen. Auf dem Lande steigt demnach schon nach dreijähriger Mobilfunknutzung das Risiko, an einem Tumor zu erkranken. Die Gefährdung vervierfacht sich nach vier Jahren. Die geringere Mobilfunksender-Dichte auf dem Lande provoziert das Handy zu höherer Leistung.

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