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Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) lobt Bananenkonzern

Greenwashing oder echter Naturschutz?

Die Nachricht ging vergangenen Juni durch die Weltwirtschaftspresse: Das
deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (BMZ) startet mit seiner Gesellschaft für Technische
Zusammenarbeit (GTZ) und Chiquita Brands International in Costa Rica ein
gemeinsames Naturschutz- und Entwicklungshilfeprojekt. Das "Nogal Nature
and Community Project" solle, laut GTZ, die Artenvielfalt erhalten, die
Sensibilität für Naturschutz in der Bevölkerung fördern und den Menschen
neue Einkommensmöglichkeiten verschaffen. Konkret handelt es dabei um
den erklärten Schutz eines 100 Hektar großen Restwaldes auf einer
Chiquita-Farm im Nordosten Costa Ricas am Ufer des Río Sucio. Dieser
soll dann mit Hilfe neu zu pflanzender, so genannter biologischer
Korridore mit anderen Restwäldern der Plantagen verbunden werden. Dabei
versäumten es die staatlichen Entwicklungshelfer in ihrer
Pressemitteilung natürlich auch nicht, den Bananenkonzern als „führenden
internationalen Produzenten von Bananen höchster Qualität und anderer
frischer Lebensmittel“ zu loben.

Kein Wort darüber aber, dass die riesigen Plantagen des Konzerns, der
jährlich rund eine Milliarde US-Doller Gewinn eingefahrt, mehrmals im
Jahr mit hochgiftigen Pestiziden eingenebelt werden. Kein Wort über die
durch den kanzerogenen „Pestizidregen“ an Krebs erkrankten Frauen und
Männer, und kein Wort über deren Kinder, die missgebildet zur Welt
gekommen sind, obwohl erst vergangenen Mai die US-Zeitschrift „In These
Times“ einen eindringlichen Bericht über diese Kinder mit dem Titel
„Chiquita’s Children“ veröffentlichte.

Sicher ist nichts dagegen einzuwenden, wenn der von Umweltschützern und
Menschenrechtlern seit Jahren in der Kritik stehende Milliardenkonzern
Chiquita versucht, sich mit ein paar Hektar geschützten „Urwald“ am Rio
Sucio ein grünes Mäntelchen zu verschaffen. Diese Firmenpolitik zur
Imageaufbügelung, die im internationalen Sprachgebrauch als
„greenwashing“ bekannt ist, wird inzwischen von vielen Konzernen
praktiziert. Bedenklich ist aber, dass diese Verschleierungstaktik der
Konzerne offensichtlich auch mit deutschen Steuergeldern aus dem
Haushalt der staatlichen Entwicklungshilfe und mit tatkräftiger Hilfe
der von Steuern bezahlten GTZ-Angestellten unterstützt wird.

Mit im Boot des Chiquita-Projektes ist, wie kann es anders sein, die
sich als Regenwaldschutzorganisation ausgebende, aber in einschlägigen
Kreisen längst für „greenwashing“ bekannte Rainforest Alliance aus New
York. Zu ihren Partnern zählen so namhafte Konzerne wie Procter & Gamble
oder die Citigroup, die genauso wie Chiquita vom Multinational Monitor
aufgrund gravierendem, ökologischen oder sozialen Missverhaltens auf die
jährlich erstellte Liste der 10 schlimmsten Unternehmen gesetzt wurden.
Schon das gleichfalls mit der Rainforest Alliance in den 1990ern
ausgeheckte Imageprojekt "Better Banana" für angeblich
umweltfreundlichere Chiquitas, war kaum mehr als Augenwischerei.

„Die Veränderungen sind mehr ästhetisch, als irgendetwas sonst. Sie
gehen nicht die eigentlichen Probleme an“, kritisierte damals die in
Costa Rica über die Folgen von Pestiziden forschende Wissenschaftlerin
Catharina Wesseling vom angesehenen Karolinska Institut für
Umweltmedizin in Stockholm.

Wenn jetzt Chiquita wirklich etwas für Mensch und Umwelt tun möchte,
warum stellt der Konzern dann nicht einfach seine Tausenden von Hektar
Plantagen komplett auf den arbeitsintensiven biologischen Anbau um? Dies
würde tatsächlich viele nachhaltige, faire Jobs in Mittelamerika
schaffen und gleichzeitig die Umwelt um etliche Tonnen Pestizide
jährlich entlasten. Zahlreiche Experten für den biologischen Anbau
würden sicher liebend gerne dem Bananenkonzern dabei helfen. Und so
mancher kritische Umweltjournalist fände dann auch bestimmt lobende
Worte für Chiquita.