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Emissionshandel schadet dem Klima

Das Buch "Carbon Trading - a critical conversation on climate change, privatisation and power" zeigt drastische Mängel der internationalen Klimaschutzpolitik auf

Der Schwede Dag Hammarskjöld (1905—1961) war der zweite Generalsekretär der Vereinten Nationen. Die nach ihm benannte, 1962 gegründete Dag Hammarskjöld-Stiftung veröffentlichte nun im Vorfeld der 12. Klimaschutzkonferenz ein Buch, das den Unterzeichnern des Kyoto-Protokolls und Befürwortern des so genannten Emissionshandels, wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen muss, denn es zieht den Schluss: Das Emissionshandelssystem sei „sowohl ineffektiv als auch ungerecht“ und fördere faktisch die weitere, die Erde anheizende Ausbeutung der fossilen Brennstoffe, statt sie zu stoppen.

"Emissionshandel ist schlecht für den Süden, schlecht für den Norden und schlecht für das Klima. Er ist der absurdeste und unmöglichste Markt, den die menschliche Zivilisation jemals gesehen hat", sagt der indische Forscher Soumitra Ghosh. Und genau dies weist das Buch „Carbon Trading — A critical conversation about climate change, privatisation and power“ detailliert nach. Dabei liest es sich seitenweise wie ein Krimi. Denn das Buch beschreibt auch, wie es möglich war, dass das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) im Verbund mit den großen Nichtregierungsorganisationen wie WWF und das von Firmen wie Monsanto, Shell und BP co-finanzierte World Resources Institute (WRI) auf einen Markt orientierten Mechanismus eingeschworen wurde, der in erster Linie den an einer weiteren Ausbeutung der fossilen Energien interessierten Energiekonzernen und nicht dem Klimaschutz diene.

Beispielsweise stammten die meisten Forscher und Autoren des Panel, die sich für Aufforstungen und andere Landnutzungsprojete im Austausch von Verschmutzungsrechten aussprachen, aus den USA, Kanada oder Australien. Gleichzeitig schloss das IPCC die Vertreter der in oder von den Wäldern lebenden Indigenen Völker genauso aus, wie die von industriellen Holzplantagen betroffenen Bevölkerungsgruppen. Schließlich dominierten vor allem orthodoxe Wirtschaftswissenschaftler die wichtige IPCC-Arbeitsgruppe III, die sich mit möglichen Antworten auf die Globale Erwärmung beschäftigte, was im Ergebnis zur Installierung des Clean Development Mechanism (CDM) zur angeblichen Kompensation von Kohlendioxidemissionen führte. Doch tatsächlich könnten die CDM-Projekte wie Holzplantagen den aus fossilen Quellen stammenden Kohlenstoff nicht wirklich „neutralisieren“. Statt das Klima vor weiterem fossilen Kohlenstoff zu schützen, förderten diese Projekte lediglich die gefährliche Illusion, dass die heutigen Konsum- und Produktionsgewohnheiten vor allem in den Industriestaaten weiter fortgesetzt und auch noch die restlichen Vorkommen an Erdöl, Erdgas und Kohle weiter ausgebeutet werden könnten.


Kurzinformation
“Carbon Trading - a critical conversation on climate change, privatisation and power”
ISSN 0345-2328
Download als PDF (ca. 6MB) über www.dhf.uu.se

Dag Hammarskjöld Foundation
www.dhf.uu.se