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EU-Agrarministerrat zum gentechnisch veränderten Raps

Die Bundesregierung verliert in der Gentechnikdiskussion weiter an Glaubwürdigkeit - aus gehabtem Schaden nichts gelernt?

Da vertritt Herr Bundesminister Seehofer landauf und landab, dass gentechnisch veränderter Raps stark auskreuzt und deshalb nicht koexistenzfähig mit einer gentechnikfreien Landbewirtschaftung ist. Trotzdem stimmte die Bundesregierung gestern in Brüssel für die Zulassung von keimfähigen Körnern für die Futtermittelherstellung aus gentechnisch veränderten Rapssorten der Firma BAYER AG.

Gerade der aktuelle Skandal um den gentechnisch veränderten Reis der Firma BAYER macht doch deutlich, dass die Gentechnikindustrie weder den Anbau noch die Verarbeitung, geschweige denn die Kontrollen von gentechnisch veränderten Pflanzen im Griff hat. Die Bundesregierung hätte aus gehabtem Schaden lernen können. Stattdessen praktiziert sie erneut den Kniefall vor den Industrieinteressen. Die "Ausrede" der Bundesregierung, der gentechnisch veränderte Raps komme ja nicht auf die Äcker, sondern gelange als Importerzeugnis gleich in die Ölmühlen, zeugt angesichts der illegalen Gentechnik-Maisimporte 2005 und des jetzigen Reisskandals entweder von großer Naivität oder ist ein Akt der bewussten Verunreinigungsstrategie, weil niemand ausschließen kann, dass nicht doch der Raps auf die Äcker ausgebracht wird oder unkontrolliert z.B. durch Transportverluste auskreuzt.

Gerade der gentechnikfreie Rapsanbau in Europa hat gegenüber den Märkten in Kanada, USA und Australien große wirtschaftliche Vorteile für die hiesigen Rapserzeuger. Sollen wir diesen lukrativen Markt aufgeben? Soll Unilever, die Soja wegen gentechnischen Veränderungen durch Raps ersetzt haben, irgendwann sagen, wir ersetzen auch den Raps, womit ein großer Nachfrager auf dem Markt sich verabschieden würde? Oder hat die Angelegenheit System und versucht die BAYER AG durch schleichende Verunreinigung die Erzeugung ohne Gentechnik systematisch zu unterlaufen? Heute Reis, morgen Raps? Ein Bauer in Siemitz (Mecklenburg-Vorpommern), hat seit Jahren auf einem gepachteten Acker den Durchwuchs von gentechnisch verändertem Raps (früherer Testacker für einen Gentechnik-Freisetzungsversuch). Er hat schon einiges an Pflanzenschutzmitteleinsatz versucht, um den Durchwuchs zu verhindern - ohne Erfolg. Die Bundesregierung soll sich in der Gentechnikdiskussion warm anziehen - die große Mehrheit der Bauern, die ihre Äcker ohne Gentechnik bestellen wollen, wird einer schleichenden Verunreinigung nicht tatenlos zusehen. Sie haben dabei die Unterstützung vieler Bürger in unserem Land".

V.i.S.d.P.: Fridolin Brandt Sekretär Umweltbund e. V.
www.umweltbund.eu